Hansestadt Rostock - Stadt Grafik: Stadt und Politik, Text: Stadt und Politik, Darstellungsdetails: Blaue und grüne Welle mit Logo der Hasestadt Rostock
Suche

Geschichte Warnemündes

Gedenkstein an der alten Lotsenstation Am Strom 124
Sturmflutmarkierung
Foto: Hansestadt Rostock

Die Warnemünder waren arme Leute. Um 1195 erstmals urkundlich erwähnt, wurde das kleine Dorf schon 1323 von der reichen Stadt Rostock gekauft. Nur so konnte der strategisch so wichtige Zugang zur See dauerhaft gesichert werden. Warnemünde bestand damals aus zwei parallel zueinander verlaufenden Häuserreihen, die man der Einfachheit halber "Vörreeg" (Vorderreihe) und "Achterreeg" (Hinterreihe) nannte.

Der zur Verwaltung des Ortes bestellte Vogt hatte die Interessen der Rostocker Bürgerschaft durchzusetzen, was 1585 in einem fast absoluten Gewerbeverbot endete. Nur noch Fischer, Seelotsen und Seeleute durften in Warnemünde ihrer Profession nachgehen - jedes andere Handwerk und Gewerbe, auch schon der bloße Handel mit dem gefangenen Fisch, waren untersagt. Schwere Sturmfluten, wie die von 1625 und 1872, suchten Warnemünde heim. In kriegerische Auseinandersetzungen der Rostocker wurde Warnemünde stets als Rostocker Vorposten zuerst verwickelt. Wallenstein ließ hier 1628 eine Zitadelle errichten. Ab 1632 erhoben die Schweden auf der Anhöhe am Alten Strom einen Zoll, der den Rostocker Hafen für Jahrzehnte lähmte.

Erste Feriengäste kommen 1817 nach Warnemünde. Das Bäderwesen entwickelt sich zögernd. Mit ihm entstehen die liebenswerten "Glaskästen" (unbeheizte Holz-Glas-Veranden vor den Fischer- und Kapitänshäusern) und Badestrände, zuerst streng nach Geschlechtern getrennt. Die Gewerbebeschränkungen werden ab 1867 gelockert. Und obwohl mit dem Kapitän Stephan Jantzen, der 1866 Lotsenkommandeur wird, ein neuer Warnemünder Volksheld geboren ist, beschreibt Theodor Fontane den Ort bei seinem Besuch im Jahre 1870 noch höchst unvorteilhaft: "Es wäre reizend, wenn es nicht so reizlos wäre.". Der seit Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Dänemark und Warnemünde bestehende Postdampferverkehr wird 1903 mit Eröffnung des Neuen Stromes in einen Eisenbahn-Fährverkehr umgewandelt. Damit kommt der Alte Strom zu seinem heutigen Namen und verliert gleichzeitig die Bedeutung als Hafenausfahrt. Der Strandkorb, heute von deutschen Stränden nicht mehr wegzudenken, erlebt in Warnemünde im Jahre 1883 seine Premiere.


Nach dem 1. Weltkrieg

Werbeplakat: Illustrierte Prospekte gratis
Plakat Warnemünde
Foto: Hansestadt Rostock

In den 20er Jahren ist es Ernst Heinkel, der Warnemünde zu neuem Ruhm verhilft: In Hohe Düne entsteht eine kleine Fabrik für Segelflugzeuge. Ein neuer Industriezweig ist geboren, der Rostock während der Kriegsaufrüstung in den 30er Jahren durch die Firmen Heinkel und Arado über 30.000 Beschäftigte allein im Flugzeugbau bescheren soll. Eine rege Bautätigkeit setzt auch in Warnemünde ein. Um die Eigenständigkeit des Ortes zu demonstrieren, werden den neuen Straßen mit Vorliebe Namen gegeben, die auch im Rostocker Stadtplan zu finden sind. Mit zwei Flugzeugfabriken und einer U-Boot-Werft bedeutender Rüstungsstandort und durch die Küstennähe leicht von Flugzeugen aufzuspüren, wird Rostock schon 1942 zum Ziel der Royal Air Force. Auch wenn die Masse der Bomben das Stadtzentrum trifft, bleiben die periphären Stadtgebiete nicht verschont.

Am 1. Mai 1945 besetzen Truppen der Roten Armee die Stadt und beenden damit den 2. Weltkrieg auch für Warnemünde. Extreme Wohnungsnot herrscht: Fast die Hälfte des Rostocker Wohnraums ist zerstört, Umsiedler suchen ein neues Zuhause in der Stadt. Die Hotels und Pensionen werden in viele kleine Wohnungen umgewandelt. Während die Zukunft der Rostocker Industriebetriebe noch von den Reparationsverhandlungen abhängt, entsteht in Warnemünde mit der Warnow-Werft der erste neue Industriestandort. Werden zunächst gehobene Schiffswracks wieder aufgemöbelt, beginnt man Mitte der 50er Jahre auch mit dem Schiffsneubau. Der Seekanal wird ausgebaggert, damit der Bau des neuen Überseehafens beginnen kann. Das Bäderwesen, nun staatlich oder volksbetriebseigen als "Feriendienst" organisiert, belegt die wenigen noch vorhandenen Hotels. 1971 wird das Hotel Neptun eröffnet - Warnemünde soll zahlungskräftige Devisen-Touristen anlocken.

Seit der politischen Wende ab 1989 verändert auch Warnemünde sein Gesicht. Vieles erstrahlt in altem Glanz, Neues gesellt sich harmonisch hinzu. Die Immobilienpreise haben ein Niveau erreicht, das so manchen alten Warnemünder zu vertreiben droht. Wohin die Entwicklung das Ostseebad auch tragen wird - die Warnemünder werden dafür sorgen, daß der Ort so liebenswert bleibt, wie er jetzt ist.


| zurück | Seitenanfang |
| Seite drucken |