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Stand: 13.04.2022, 17:02:05 Uhr

Der Rostocker Hafen geht den nächsten Schritt in Richtung Zukunft. Er stellt sich neu auf – als Drehscheibe für den wachsenden Umschlag von Gütern und als zukunftsweisender Standort für eine moderne Industrie, Logistik und Energiewirtschaft. Für diesen Wandel braucht der Hafen neue Flächen, denn Innovation und Wertschöpfung benötigen Raum. Klar ist: Diese Flächen müssen im Einklang mit Naturschutz und mit den Anwohnern des Hafens entwickelt werden.

„Der Hafen ist ein wichtiger Teil des Zukunftsplans für Rostock“

Drei Fragen an Ralph Müller, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft der Stadt Rostock

Frage: Was ist der Zukunftsplan für Rostock?

Antwort: Der Zukunftsplan soll Antworten auf die Frage geben: Wie soll Rostock wachsen? Mit dem Zukunftsplan möchte Rostock einen Rahmen schaffen, der Auskunft darüber gibt, wo und wie Flächen in der Hansestadt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten entwickelt werden können. Dafür müssen wir ganz unterschiedliche Interessen und Sichtweisen berücksichtigen: die Nachfrage nach Wohnraum, den Bedarf für Grün- und Freiräume, aber auch den Wunsch, Flächen für Industrie und Gewerbe zu schaffen. Der Zukunftsplan befindet sich gerade in der Erarbeitung. Wir möchten ihn in den kommenden fünf Jahren verabschieden – mit Beteiligung der Öffentlichkeit.

Frage: Welche Bedeutung hat der Hafen für die Flächennutzungsplanung der Stadt?

Antwort: Die Hafenentwicklung ist ein ganz wichtiger Teil des Zukunftsplans für Rostock. Es ist in der Stadt bei vielen Menschen nicht so bekannt: der Hafen trägt mit knapp 20.000 Arbeitsplätzen, die direkt oder indirekt von ihm abhängen, und mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Steueraufkommen sehr wesentlich zum Wohlstand in Rostock, im Landkreis und darüber hinaus bei. Ohne die Rostocker Hafenwirtschaft hätten wir weit weniger gute und qualifizierte Arbeitsplätze bei uns. Und die brauchen wir dringend. Der Hafen muss auch in Zukunft das Zugpferd der wirtschaftlichen Entwicklung in Rostock sein. Dafür braucht er Flächen.

Frage: Warum verwenden Sie den Begriff des Zukunftshafens?

Antwort: Mir gefällt die Idee des Zukunfthafens, denn wir müssen den Hafenstandort in Rostock neu denken. Umschlag und Fährverkehre werden weiterhin wichtig sein. Aber es geht um mehr. Rostock braucht neue Flächen für innovative Ansiedlungen von Unternehmen aus der Industrie, der Logistik und vor allem: aus der Energie- und Wasserstoffwirtschaft. Das ist unsere Zukunftsaufgabe. Und dafür müssen wir schon heute eine umsichtige Flächenvorsorge betreiben – im Sinne einer Daseinsvorsorge für uns alle.

Flächenerweiterung: Hafen Rostock - Fragen und Antworten

Der Hafen Rostock stellt sich konsequent für die Zukunft auf. Er möchte sich weiter zu einer Plattform für Innovationen entwickeln, die den effizienten Umschlag von Gütern mit der Ansiedlung von wertschöpfender Industrie und Logistik sowie von nachhaltiger Energiewirtschaft verbindet. Für diesen Wandel braucht der Hafen eine vorausschauende Flächenvorsorge. Nur so kann der Hafen seine Funktion als Motor für eine positive Wirtschaftsentwicklung in Rostock und der Region bewahren.

Der Bedarf für eine Erweiterung des Hafens speist sich aus mehreren Quellen: zu einem kleineren Teil aus dem prognostizierten Umschlagswachstum, zum überwiegenden Teil aus Ansiedlungsanfragen von Unternehmen. Ein Beispiel: Kam es in Rostock zwischen 2013 und 2016 pro Jahr im Durchschnitt zu Anfragen für 38 Hektar Fläche, steigerte sich diese Zahl im Zeitraum von 2018 bis 2021 auf 107 Hektar per annum. Wenn diese Entwicklung auch konjunkturabhängig ist, ergibt sich für die Zukunft daraus ein kumulierter Flächenbedarf von über 340 Hektar im Jahr 2030 und über 700 Hektar im Jahr 2040.

Hinzu kommt: Rostock ist im Vergleich mit den anderen Ostseehäfen unterproportional mit Flächen ausgestattet – andere Hafenstandorte weisen eine deutlich höhere Flächenbevorratung auf. Eine Wettbewerbsanalyse von ROSTOCK PORT ergab jüngst, dass die befragten Häfen im Ostseeraum über knapp 50 Prozent Erweiterungsfläche im Vergleich zur bestehenden Hafenfläche verfügen. Das ist deutlich mehr als in Rostock, wo kaum noch Erweiterungsflächen zur Verfügung stehen – und Anfragen von interessanten Unternehmen, beispielsweise aus der Wasserstoffwirtschaft, in der Vergangenheit u.a. wegen fehlender knapper Flächen negativ beschieden werden mussten.

ROSTOCK PORT hat sich bisher bemüht, neue Ansiedlungen durch die Optimierung von Flächen im bestehenden Areal des Überseehafens möglich zu machen. Diese interne Optimierung wird auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen, jedoch stößt diese Entwicklung nach innen spürbar an Grenzen – insbesondere, wenn es um die Ansiedlung von wertschöpfungsintensiver Industrie mit guten Arbeitsplätzen geht. Dafür braucht Rostock in Zukunft externe Erweiterungsflächen. Diese sollen perspektivisch in den Erweiterungsgebieten Ost (215 Hektar) und West (160 Hektar) vorgehalten werden.

Häfen haben viele Funktionen. Sie sind Umschlagsorte für Güter und Waren, gleichzeitig aber auch attraktive Standorte für die Ansiedlung von Industrie, Gewerbe und Logistik – so etwa in Hamburg, Antwerpen oder Danzig. Viele Unternehmen möchten von der Nähe zur Kaikante profitieren, um den Verkehrsträgerwechsel im Hafen für eine Weiterverarbeitung von Rohstoffen und Waren zu nutzen. Die unmittelbare Nähe zum seeschifftiefen Wasser ist für viele Unternehmen mithin ein Standortvorteil. Diese Chancen können und sollten Hafenstandorte ergreife, da gerade diese Ansiedlungen erhebliche wirtschaftliche Effekte generieren – sie sind mittlerweile sogar höher als bei der Umschlagfunktion.

Beschleunigt wird diese Nachfrage durch den Trend zu größer werdenden Produktmaßen in der Industrie, die eine Produktion direkt an der Kaikante erfordern. Prominenente Beispiele im Rostocker Hafen sind unter anderen EEW und Liebherr, die erhebliche Kostenvorteile generieren, wenn ihre Industrieprodukte nicht mehr in Einzelteile für den Transport zu Kunden zerlegt werden müssen, sondern in einem Stück auf das Seeschiff verladen werden können.

Auch zeigt sich: Die Standortattraktivität von Rostock beruhte in den letzten Jahren zu einem großen Teil auf der Verfügbarkeit von kaikantennahen Industrie- und Gewerbeflächen. ROSTOCK PORT erfasst seit vielen Jahren die wirtschaftlichen Effekte der Hafenaktivitäten. Die positive Entwicklung bei der Anzahl der Arbeitsplätze und beim Steueraufkommen ergibt sich nahezu ausschließlich aus der Industrie- und Logistikfunktion des Hafens und den ihr zuzuordnenden Unternehmensansiedlungen.

Viele Unternehmen, insbesondere in der Industrie, profitieren somit von der Nähe zu seeschifftiefem Wasser. Sie würden sich nicht an anderen Standorten im Hinterland ansiedeln. Das zeigt auch die Situation  in Industriegebieten mit flexiblen Emissionskontingenten und direktem Autobahnanschluss im Landesinnern. Sie werden aktuell nicht ausreichend nachgefragt, da sie – ohne Nähe zur Kaikante – im europaweiten Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen weniger attraktiv sind.

Kurzfristig müssen Lösungen für die einzelnen Unternehmen und ihre Beschäftigten in Rostock gefunden werden. Dabei unterstützt der Hafen Rostock gerne. Im Fall der MV Werften gibt es beispielsweise Interessenten für den Bau von Konverterplattformen für die Offshore-Windbranche. Bei der Diskussion um die Erweiterungsflächen für den Hafen geht es hingegen um etwas Anderes: um eine Flächenvorsorge für die kommenden Jahrzehnte, für die es kompakte und flexibel planbare Flächen braucht. Denn: Rostock muss jetzt die Weichen dafür stellen, dass auch in Zukunft gut bezahlte Industriearbeitsplätze in der Stadt erhalten bleiben – auch für die kommende Generation. Mecklenburg-Vorpommern hat mit 12,8 Prozent die niedrigste Quote an Industriearbeitsplätzen in ganz Deutschland. Rostock kann das ändern – mit dem Hafen als Motor für mehr Wertschöpfung vor Ort.

Im aktuellen Regionalen Raumentwicklungsprogramm (RREP) sind die Erweiterungsgebiete Ost und West bereits seit 2011 als Vorbehaltsgebiete festgelegt. Die Verbandsversammlung des Planungsverbands Region Rostock hat am 7. Dezember 2021 beschlossen, für die Erweiterungsflächen Ost und West den Status von Vorrangflächen anzustreben. Vorrang ist ein Begriff aus der Raumplanung. Er bezeichnet Flächen, die für einen von der Allgemeinheit als wichtig erachteten Zweck vorgesehen sind. Im Falle der Hafenerweiterungsflächen bedeutet das: Flächen wären an dieser Stelle für den Umschlag von Gütern oder für die Ansiedlung von hafenaffiner Industrie oder Logistik prioritär vorgesehen. Andere Nutzungen – wie etwa neue Wohnbebauung über den jetzigen Bestand hinaus – wären auf diesen Flächen in Zukunft ausgeschlossen.

Die Untersuchung der Erweiterungsflächen befindet sich noch in einer frühen Phase. Jedoch sind in den vergangenen zehn Jahren unterschiedlichste Gutachten und Raumkonzepte im Umfeld des Überseehafens erstellt worden. Zuletzt ermittelte das Seehafengutachten im Zeitraum von 2015 bis 2020 verschiedene Varianten für eine Flächenerweiterung des Hafens und betrachtete deren Auswirkungen. Das Seehafengutachten machte deutlich, dass eine Flächenerweiterung möglich ist, jedoch hohe gesetzliche Hürden aufweist und sehr umsichtig erfolgen müsste. Eingriffe in Natur-, Ufer- und Gewässerflächen bedürfen sehr wahrscheinlich einer Ausnahmegenehmigung von den Vorgaben des strengen Gewässer- und Artenschutzrechts der Europäischen Union, insbesondere der Wasserrahmenrichtlinie. Auch stünden die Planer in der Pflicht, die Inanspruchnahme von Flächen umfangreich auszugleichen – etwa durch die Wiedervernässung von Mooren an anderer Stelle in der Region oder das Angebot alternativer Grundstücke und Bauplätze für Anwohner. Gleichzeitig besteht ein hohes öffentliches Interesse für die von der öffentlichen Hand angestrebte Flächenvorsorge.

Die Erweiterungsgebiete Ost und West sind derzeit lediglich eine Flächenkulisse, über die entschieden werden muss, ob sie als Vorranggebiete in das Regionale Raumentwicklungsprogramm und in den Flächennutzungsplan (FNP) der Hansestadt Rostock aufgenommen werden. Aktuell geht es in der Debatte also um eine Vorrangstellung von Flächen, nicht um deren konkrete Überplanung. Erst wenn die Erweiterungsflächen formal in das RREP und in den FNP aufgenommen worden sind – mit einer abschließenden Entscheidung ist nach aktuellem Stand frühestens im Jahr 2026 zu rechnen – können sie konkret erschlossen und beplant werden.

Die Hansestadt Rostock und der Planungsverband Region Rostock werden der Öffentlichkeit unterschiedlichste Möglichkeiten geben, ihre Hinweise und Positionen in die Verfahren einzubringen – über mehrere Phasen der formalen Öffentlichkeitsbeteiligung hinweg. Zusätzlich begleitet das Hafenforum, das sich aus Kritikern und Befürwortern einer Flächenerweiterung zusammensetzt, den Prozess der Hafenentwicklung in Rostock seit vielen Jahren sehr aufmerksam. In diesem konsultierenden Gremium sind die bisherigen Gutachten transparent vorgestellt und diskutiert worden. Das Hafenforum hat u.a. dazu beigetragen, dass das Untersuchungsdesign des Seehafengutachtens deutlich erweitert worden war. In den kommenden Monaten beabsichtigen die Hansestadt Rostock und ROSTOCK PORT, darüber hinaus, das offene Gespräch mit den Rostockerinnen und Rostockern im Rahmen von unterschiedlichsten Dialogformaten zu suchen, um ihre Ideen für einen Zukunftshafen aufzunehmen und zu diskutieren.

Pressemitteilung vom 03.03.2022

Seehafengutachten Rostock identifiziert geeignete Gebiete für die Hafenentwicklung

Der Regionale Planungsverband Region Rostock, die Hanse- und Universitätsstadt Rostock und ROSTOCK PORT haben das Seehafengutachten zu möglichen Erweiterungsflächen des Hafen Rostock vorgelegt. Die Gutachter des Büros Umweltplan aus Stralsund kommen darin zu dem Ergebnis, dass die Erweiterungsflächen Ost (215 Hektar) und West (160 Hektar) geeignet sind, für die zukünftige Hafenentwicklung ausgewiesen zu werden. Umfangreicher Ausgleich würde dafür jedoch notwendig sein. Das Seehafengutachten diente als eine wesentliche Entscheidungsgrundlage dafür, das Regionale Raumentwicklungsprogramm (RREP) anzupassen – mit dem Ziel, die Erweiterungsgebiete Ost und West vom Status eines Vorbehalts- in den eines Vorranggebietes zu erheben.

Hier gehts zur Pressemitteilung

Pressemitteilung als PDF117.7 KB


Verbandsversammlung Planungsverband REGION ROSTOCK am 7. Dezember 2021:


Hier kommen Sie zu den Downloads "Seehafengutachten"

Meldung vom 03.03.2022

Studie gibt Empfehlungen zur Kommunikation:

Das Gespräch über den Zukunftshafen aktiv in die Stadt tragen

Eine neue Studie formuliert Empfehlungen für die begleitende Kommunikation zur Hafenentwicklung in Rostock. Die Autoren aus dem Büro RAIKESCHWERTNER (Hamburg) kommen zu dem Schluss, dass die Diskussion über die zukünftige Entwicklung des Hafens breit in die Hansestadt getragen werden sollte – mit Formaten, die möglichst viele Bürger:innen in den Dialog einbeziehen. Die Studie analysiert die Debatten an anderen Hafen- und Industriestandorten in Deutschland und Europa und trifft Ableitungen für die Situation in Rostock. Sie wurde im Rahmen des InterReg-Projekts InterModal Notes im Auftrag von ROSTOCK PORT erstellt.

InterReg-Studie: Kommunikation für eine nachhaltige Hafenentwicklung in Rostock

Meldung vom 03.03.2022

Einladung folgt

Hafenforum trifft sich wieder im April

Das Hafenforum Rostock begleitet die Debatte über die Entwicklung des Hafens seit vielen Jahren sehr aufmerksam. Unter den Mitgliedern befinden sich sowohl Befürworter als auch Kritiker einer Hafenerweiterung. Die Stadt Rostock wird das Hafenforum zu einer nächsten Sitzung im April 2022 einladen. Bei dem Treffen soll es um die aktuellen Entwicklungen in der Debatte um eine Flächenerweiterung gehen. Auch sollen Ideen für eine Neujustierung des Hafenforums diskutiert werden.