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„Man darf ja nix mehr sagen!?“ Meinungsfreiheit und Demokratie

Pressemitteilung vom 03.06.2026 - Bildung und Wissenschaft / Kultur, Freizeit, Sport


Archivmeldung:

Bitte beachten Sie, diese Meldung stammt aus dem Pressearchiv !
Der beschriebene Sachverhalt sowie Kontaktdaten und Zeitangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Gemeinsame Pressemitteilung der Universität Rostock und der Hanse- und Universitätsstadt Rostock

Meinungsfreiheit ist ein Grundpfeiler der Demokratie, in Deutschland wird sie durch Artikel 5 des Grundgesetztes geschützt. Aber selten wurde so viel, so grundsätzlich und so hitzig über Meinungsfreiheit und die Grenzen des Sagbaren gestritten wie gerade jetzt: Ist die Meinungsfreiheit in Deutschland tatsächlich bedroht, und inwiefern muss und darf sich Demokratie selbst durch Sagbarkeitsregeln schützen? Darf man tatsächlich nicht mehr alles sagen? Durfte man früher alles sagen? Gibt es neuerdings wirklich eine „Cancel Culture“?

Diesen und weiteren Fragen widmen sich Prof. Dr. Wolfgang Muno, Professor für Vergleichende Regierungslehre, Prof. Dr. Alexander Weiß, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte, und Prof. Dr. Stephanie Wodianka, Professorin für Französische und Italienische Literatur an der Universität Rostock im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Uni im Rathaus“ am Dienstag, 23. Juni 2026, um 18 Uhr im Festsaal des Rostocker Rathauses. Der Eintritt ist frei.

Im Fokus dieser Diskussion steht die Frage, warum freie Meinungsäußerung für demokratische Gesellschaften unverzichtbar ist und wo sie an Grenzen stößt. Seit der Aufklärung - von Immanuel Kant bis John Stuart Mill - gehören Meinungs- und Redefreiheit zu den Kernideen politischer Theorien. Aktuelle Entwicklungen wie Postfaktizität, Polarisierung und Hassrede erfordern eine Neubewertung dieser Konzepte.
Auch die Kunstfreiheit spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. Sie ist durch das Grundgesetz in besonderem Maße geschützt und ist Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung und Meinungsäußerung: Weder Parteien noch der Staat sollten festlegen, wie Kunst auszusehen hat. Doch auch die Freiheit der Kunst ist nicht schrankenlos und findet ihre Grenzen dort, wo andere verfassungsrechtliche Werte auf dem Spiel stehen. Debatten entstehen an der Trennlinie zwischen legitimer künstlerischer Freiheit und einem möglichen Missbrauch der Kunstfreiheit als Deckmantel, z.B. für Hetze gegen Minderheiten oder Antisemitismus.

Die Diskussion greift damit eine hochaktuelle gesellschaftliche Debatte um Meinungsfreiheit als essenzielles, im Grundgesetz verankertes Grundrecht auf. Auf der einen Seite stehen Diskussionen über Cancel Culture, Sprachverbote, Illiberalismus und zunehmende Polarisierung: Streit wird gemieden, die Meinung anderer oft als Zumutung empfunden. Auf der anderen Seite kommt es immer häufiger zu Ermittlungen der Strafjustiz aufgrund so genannter „Äußerungsdelikte“. Ist Meinungsfreiheit aber vor allem eine Sache der Justiz, oder sollte darüber stärker politisch gestritten werden?

Im Gespräch:

Prof. Dr. Wolfgang Muno
Professor für Vergleichende Regierungslehre. Er forscht und lehrt zu Demokratie, Parteien und Wahlen in Deutschland, Europa und Lateinamerika. Im Fokus stehen Populismus und Extremismus. In diesem Kontext befasst er sich mit zunehmender Polarisierung und zunehmendem Autoritarismus in demokratischen Gesellschaften.

Prof. Dr. Alexander Weiß
ist seit 2022 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Rostock. Seine Forschungsgebiete sind Demokratietheorie, Vergleichende Politische Theorie und Vergleichende Demokratietheorie sowie Kinder- und Menschenrechte. Hauptgegenstand ist das globale demokratische Denken. Dabei untersucht er besonders außerwestliche Demokratie- und Menschenrechtskonzeptionen und globale Kritiken an westlich liberaler Demokratie.

Prof. Dr. Stephanie Wodianka
ist seit 2010 Professorin für Französische und Italienische Literatur an der Universität Rostock. Sie forscht zum Verhältnis von Literatur und kulturellem Gedächtnis, Literatur und Religion und Literatur und Kunst. Als Sprecherin des Graduiertenkollegs "Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs" und Mitglied des Rostocker Graduiertenkollegs "Deutungsmacht" hat sie sich mit Streitkulturen in Geschichte und Gegenwart beschäftigt.

Die Veranstaltung wird gerahmt von der Ausstellung "Standing for Freedom/ Poser pour la liberté ", die vom 15. bis 29. Juni 2026 in der Rathaushalle Rostock Porträts von Forschenden im Exil zeigt.

Was bedeutet es, als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler das eigene Land verlassen zu müssen? Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit und das Wissenschaftsexil in Europa?
Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage in der Rathaushalle am 15. Juni um 19 Uhr in Anwesenheit des Fotografen und Co-Kurators Pierre-Jérôme Adjedj, der eine Einführung in das Thema und die ästhetische Gestaltung der Ausstellung geben wird, von Prof. Elizabeth Prommer als Rektorin der Universität Rostock und von Véronique Charléty, Attachée für Hochschulkooperation der Französischen Botschaft in Berlin. Außerdem werden zwei Forschende aus der Ukraine bzw. aus Äthiopien, die derzeit über das Philipp-Schwartz-Programm an der Universität Rostock im Wissenschaftsexil sind, über ihre Exil-Erfahrungen sprechen.

Die Gesprächsreihe UNIVERSITÄT IM RATHAUS wird von der Interdisziplinären Fakultät an der Universität Rostock gemeinsam mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock organisiert.