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Sandregenpfeifer finden an Mecklenburgs Ostseeküste wieder sichere Brutplätze

Meldung vom 20.07.2026 - Kultur, Freizeit, Sport / Umwelt und Gesellschaft


Archivmeldung:

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Der beschriebene Sachverhalt sowie Kontaktdaten und Zeitangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Gemeinsames Artenschutzprojekt von Zoo Rostock und NABU zeigt nach drei Jahren sichtbare Erfolge

Drei Jahre Einsatz für einen der am stärksten bedrohten Küstenvögel Deutschlands zeigen Wirkung. Das gemeinsame Artenschutzprojekt zwischen Fachgruppe Ornithologie Rostock, NABU Mittleres Mecklenburg (NABU MM) und Zoo Rostock für den Sandregenpfeifer entwickelt sich erfolgreich weiter. Inzwischen wurden die Schutzmaßnahmen entlang der Ostseeküste deutlich ausgeweitet. Die ersten Küken der diesjährigen Brutsaison schlüpften bereits im Mai und im Juni wurden die ersten Jungvögel flügge. Die Entwicklung bestätigt, dass die eingerichteten Schutzflächen von den Sandregenpfeifern angenommen werden und ihnen wieder erfolgreiches Brüten ermöglichen.

Das Projekt wurde 2024 gestartet, um den dramatischen Rückgang des Sandregenpfeifers an Mecklenburgs Ostseeküste aufzuhalten. Seitdem werden bekannte Brutplätze überwacht, saisonal geschützte Strandbereiche ("Strandinseln") eingerichtet und die Öffentlichkeit über den Schutz der seltenen Strandbrüter informiert. Ergänzend werden besonders gefährdete Gelege - sofern ein Schutz vor Ort nicht möglich ist - im Zoo Rostock ausgebrütet, die Jungvögel aufgezogen und später wieder ausgewildert.

"Wir sehen inzwischen sehr deutlich, dass unsere gemeinsamen Schutzmaßnahmen wirken. Fast alle in diesem Jahr eingerichteten Schutzflächen wurden von den Vögeln angenommen, sodass wir an vielen Stellen Bruten nachweisen konnten. Für eine vom Aussterben bedrohte Vogelart ist das ein ausgesprochen ermutigendes Signal", betonte Jonas Homburg, Vogelkurator im Zoo Rostock.

Schutzflächen wachsen entlang der Ostseeküste

Seit Beginn des Projektes wurde das Netz der sogenannten Strandinseln zwischen Kühlungsborn und Warnemünde kontinuierlich erweitert. Aktuell gibt es solche Areale in Börgerende, in Elmenhorst sowie in Wittenbeck. Gemeinsam mit den Maßnahmen des NABU MM im Naturschutzgebiet Riedensee westlich von Kühlungsborn gelingt es so, den Sandregenpfeifern nahezu überall mit punktuellen Schutzbereichen zu helfen, wo sie zwischen Warnow und Salzhaff noch Brutversuche an den Stränden unternehmen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtforstamt Rostock sowie der NABU Regionalgruppe Ostseeküste Westmecklenburg konnten außerdem erstmals Flächen im Bereich der Rostocker Heide sowie in der Wismarbucht bei Zierow gesichert werden.

Die saisonal abgesperrten oberen Strandbereiche ermöglichen den Vögeln ein möglichst störungsfreies Brutgeschäft. Strandgäste können die Küste weiterhin nutzen, werden jedoch gebeten, die gekennzeichneten Bereiche nicht zu betreten und Hunde in den Brutgebieten anzuleinen.

Vom bedrohten Strandbrüter zum Hoffnungsträger

Der Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) ist ein kleiner Watvogel, der zwischen April und August an den Sand- und Kiesstränden der Ostsee brütet. Seine Nester bestehen lediglich aus einer flachen Mulde im Sand. Eier und Küken sind hervorragend getarnt und dadurch kaum zu erkennen. Genau diese Tarnung wird an stark genutzten Stränden jedoch häufig zum Problem: Gelege und Jungvögel werden leicht übersehen und zertreten oder die Niststandorte gestört.

Mit weniger als 1.000 Brutpaaren gilt der Sandregenpfeifer in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Zu den größten Gefahren zählen der Verlust geeigneter Lebensräume sowie Freizeit- und Erholungsaktivitäten an den Küsten.

Ein weiterer Baustein des Projekts ist deshalb das Ausbrüten besonders gefährdeter Gelege und die Aufzucht der Jungvögel im Zoo Rostock. Bisher wurden sechs Sandregenpfeifer erfolgreich aufgezogen und anschließend wieder ausgewildert. "Besonders erfreulich ist, dass dieses Jahr ein ins Projektgebiet zurückgekehrter, ausgewilderter Vogel beobachtet werden konnte. Es belegt den Erfolg des Vorgehens", berichtet Jonas Homburg. Für die laufende Saison liegt erneut eine naturschutzrechtliche Genehmigung zur Rettung aussichtsloser Gelege vor. Bislang musste davon jedoch kein Gebrauch gemacht werden, da die Brutpaare die vorhandenen Schutzflächen erfolgreich nutzen.

Ziel: Langfristig eine stabile Population aufbauen

Begleitet wird das Projekt durch ein kontinuierliches Monitoring. Jungvögel erhalten individuelle Farbringe und können dadurch über viele Jahre hinweg eindeutig identifiziert und wissenschaftlich beobachtet werden. Ehrenamtliche Mitarbeitende der Fachgruppe Ornithologie und des NABU MM kontrollieren sämtliche Standorte regelmäßig und dokumentieren Brutverläufe sowie Bestandsentwicklungen.
"Unser Ziel ist eine dauerhaft stabile Population von Sandregenpfeifern an der mecklenburgischen Ostseeküste. Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Die Entwicklung der vergangenen drei Jahre zeigt jedoch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Entscheidend bleibt, dass Naturschutz und rücksichtsvolle Strandnutzung Hand in Hand gehen. Jeder erfolgreich flügge gewordene Jungvogel bringt uns diesem Ziel einen Schritt näher", so Joachim Springer, der die Initiative für die Fachgruppe und den NABU Mittleres Mecklenburg koordiniert.

Der Zoo Rostock und seine Projektpartner bitten Strandbesucherinnen und -besucher deshalb weiterhin um Rücksicht. Wer Schutzbereiche respektiert, Hunde anleint und brütende Vögel nicht stört, leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt einer der seltensten Vogelarten Mecklenburg-Vorpommerns.
Hintergründe zum Projekt sowie eine detaillierte Dokumentation, die den Auswilderungsprozess der vergangenen Jahre anschaulich nachvollziehbar macht, stellt der Zoo Rostock auf seiner Webseite unter www.zoo-rostock.de/sandregenpfeifer zur Verfügung.