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„Ich bereue nur das, was ich nicht gemacht habe.“ - Esma Aydemir, Geschäftsführerin des Rostocker Migrantenrates, will multinationale Begegnungen schaffen

Pressemitteilung vom 23.06.2026


Archivmeldung:

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Der beschriebene Sachverhalt sowie Kontaktdaten und Zeitangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Am liebsten spricht Esma Aydemir über ihre „beste Oma der Welt“. Anneliese aus Kühlungsborn starb vor zwei Jahren mit 84 und hinterließ der heute 32-jährigen gebürtigen Kurdin ein beeindruckendes Erbe. Keines, das jemals über einen Banktresen hätte gehen können. Annelieses Konto war voll mit regionalen Rezepten für ein respektvolles menschliches Miteinander, typisch deutsche Fleischrouladen und selbstlosen Mut. „Ich bereue nur das, was ich nicht gemacht habe“, sagt die studierte Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin heute, die seit Januar als Geschäftsführerin des Migrantenrates im Büro für Integration arbeitet. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenswelten aufgeschlossen zusammenbringen und gemeinsame Erfahrungen ermöglichen, das ist ihr Credo.

Oma Anneliese und Opa Peter hatten es Esma, ihren Eltern und fünf Schwestern mehr als 25 Jahre mit Herzenswärme vorgelebt und sie vorbehaltlos unterstützt, nachdem die junge Familie aus dem kurdischen Gebiet im Südosten der Türkei flüchten musste. Aus anfänglicher Nachbarschaftshilfe im Seebad Kühlungsborn erwuchs menschliche Nähe. Gemeinsame Schulfeste, Geburtstage, Hausaufgaben, Weihnachtsbräuche und Gesellschaftsspiele bestimmten fortan auch Esmas Alltag in der neuen Heimat. Dass nicht alle Menschen vorurteilsfrei aufeinander zugehen können, musste sie ebenfalls früh erfahren. „Meine Oma, die auch eigene Kinder und Enkel hatte, konnte die misstrauischen Blicke mutig mit uns aushalten“, erinnert sie sich.

Offen sein für neue Lebenswelten anderer, kann helfen, Ängste und Vorurteile abzubauen. So stand Esma als Kind einer „Mädchenfamilie“ nach ihrem Schulabschluss - für ein Jahr als Au-pair in England - plötzlich vor der Aufgabe, zwei aufgeweckte Jungen zu betreuen. „Neben Englisch fast eine zweite Fremdsprache“, schmunzelt sie, „aber auch die kann man lernen.“ Und sie entdeckte auf der britischen Insel überraschend ihre ausgeprägte deutsche Persönlichkeit - das Streben nach Verlässlichkeit und Perfektion. „Die Kurdin in mir wird erstaunlicherweise auch durch die Erinnerung an meine deutsche Oma geweckt. Wenn es darum geht, für etwas einzustehen, widerstandsfähig zu sein“, so Esma, die ihre eigenen „Schubladen“ auch gern selbst hinterfragt.

Als Leiterin der Geschäftsstelle des Rostocker Migrantenrates möchte sie künftig weniger auf die vermeintlichen Unterschiede als vielmehr auf Gemeinsamkeiten setzen. „Der Mensch sollte als Mensch gesehen werden und nicht als Nationalität“, wünscht sie sich. Neue Ideen für multinationale Begegnungen möchte sie für Rostock entwickeln. „Ein „Karneval der Kulturen“ im Rostocker Stadthafen mit vielfältigen Trachten und Tänzen aus Deutschland und der Welt wäre mein Traum“, so Esma Aydemir. „Und Oma Anneliese würde dann wohl sagen, guck mal, so kann man doch ganz gut zusammenleben, wenn man es will“.

Kerstin Kanaa

Migrantenrat Rostock

Der Migrantenrat ist ein kommunalpolitisches Gremium zur Mitbestimmung in der Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Als gewählte Vertretung von Menschen mit Zuwanderungserfahrung bringt er ihre Perspektiven in politische Entscheidungsprozesse ein, berät Verwaltung und Politik und stärkt die demokratische Teilhabe. Die neun gewählten und vier beratenden Mitglieder des Migrantenrats Rostock engagieren sich ehrenamtlich, und setzten sich für ein respektvolles und solidarisches Miteinander in der Stadt Rostock ein. Die Geschäftsstelle des Migrantenrates Rostock ist seit Januar 2026 im Rathaus der Stadt angesiedelt.