Prof. Dr. Ingo Richter wird Ehrenbürger der Hanse- und Universitätsstadt Rostock
Pressemitteilung vom
Die Rostocker Bürgerschaft hat am 2. September 2026 beschlossen, Prof. Dr. Ingo Richter das Ehrenbürgerrecht der Hanse- und Universitätsstadt Rostock zu verleihen. Damit würdigt die Stadt seine außergewöhnlichen und bleibenden Verdienste um Rostock – als Mediziner und Hochschullehrer, als Mitgestalter des demokratischen Aufbruchs von 1989/90 sowie als Initiator zahlreicher humanitärer und bürgerschaftlicher Projekte. Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die die Hanse- und Universitätsstadt Rostock vergibt.
„Prof. Dr. Ingo Richter hat Rostock über Jahrzehnte auf ganz unterschiedliche Weise geprägt: Er hat als Kinderarzt und Wissenschaftler Verantwortung für junge Menschen übernommen, in einer historischen Umbruchzeit mutig für Freiheit und Demokratie eingestanden und mit seinen Initiativen bis heute wirksame Strukturen des Gemeinsinns geschaffen“, unterstreicht Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger. „Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, was es heißt, Wissen, Haltung und Tatkraft in den Dienst der Mitmenschen zu stellen. Prof. Richter hat sich um Rostock und unsere Stadtgesellschaft in außergewöhnlicher Weise verdient gemacht. Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts ist Ausdruck großer Dankbarkeit und Wertschätzung.“
Ingo Richter wurde 1936 in Staßfurt geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Tessin. 1955 legte er an der Großen Stadtschule in Rostock sein Abitur ab. Von 1958 bis 1964 studierte er Humanmedizin an der Universität Rostock, an der er 1964 promoviert wurde. Nach seiner Facharztausbildung an der Universitäts-Kinderklinik habilitierte er sich 1983. Im Jahr 1992 wurde er auf den Lehrstuhl für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie berufen und übernahm die Leitung der gleichnamigen Abteilung. Von 1999 bis zu seiner Emeritierung 2002 war er Direktor der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock.Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist zugleich der demokratische Neubeginn in Rostock. Prof. Dr. Ingo Richter gehörte 1989 zu den Wegbereitern und Mitinitiatoren der Gründung der SPD in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern. Er wirkte an den Runden Tischen mit, war an der Besetzung der Rostocker Zentrale des Staatssicherheitsdienstes beteiligt und initiierte den Besuch Willy Brandts am 6. Dezember 1989 in Rostock. Mit Überzeugung, Tatkraft und persönlichem Mut trug er dazu bei, den friedlichen politischen und gesellschaftlichen Umbruch in der Stadt mitzugestalten.
Auch sein humanitäres Engagement reicht weit über seine medizinische Tätigkeit hinaus. In den 1990er-Jahren rief er die Hanse-Tour Sonnenschein ins Leben, die sich für krebs- und chronisch kranke Kinder einsetzt. Auf Tausenden zurückgelegten Kilometern wurden im Laufe der Jahrzehnte Spenden in Millionenhöhe gesammelt. Auf Richters Initiative wurde 2005 zudem die Hanseatische Bürgerstiftung Rostock gegründet. Sie unterstützt bis heute unter anderem Projekte der Kinder-, Jugend- und Altenhilfe, der Bildung, des Sports, der Wissenschaft, der Kultur sowie des Umwelt- und Naturschutzes. Für sein vielfältiges Engagement erhielt Prof. Dr. Ingo Richter bereits 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
„Rostock ist die Stadt, in der ich lernen, als Arzt arbeiten und gemeinsam mit vielen anderen Menschen gesellschaftliche Veränderungen mitgestalten durfte“, erklärt Prof. Dr. Ingo Richter. „Das Ehrenbürgerrecht erfüllt mich deshalb mit großer Freude und Dankbarkeit. Ich verstehe diese Ehrung zugleich als Anerkennung für all jene, die mich über viele Jahrzehnte begleitet und unsere gemeinsamen Vorhaben mit Leben erfüllt haben. Bleibendes entsteht nie allein, sondern immer durch Menschen, die Verantwortung füreinander und für ihre Stadt übernehmen.“
Die feierliche Verleihung des Ehrenbürgerrechts soll noch im Jahr 2026 stattfinden. Im Rahmen der Festveranstaltung wird der Präsident der Bürgerschaft den Ehrenbürgerbrief überreichen. Anschließend wird Richters Name in das Ehrenbuch der Hanse- und Universitätsstadt Rostock eingetragen.
Das Rostocker Ehrenbürgerrecht
Nach der Rostocker Satzung über Ehrungen verdienstvoller Persönlichkeiten ist das Ehrenbürgerrecht die höchste Auszeichnung der Stadt. Es würdigt Persönlichkeiten, die sich außergewöhnliche und bleibende Verdienste um Rostock erworben haben. Die Auszuzeichnenden sollen in Rostock oder der näheren Umgebung geboren sein oder längere Zeit in Rostock gewirkt haben. Mit dem Ehrenbürgerrecht sind – abgesehen von dem Recht, die Bezeichnung „Ehrenbürgerin“ oder „Ehrenbürger“ zu führen – keine besonderen Rechte oder Pflichten verbunden. Über die Verleihung entscheidet die Bürgerschaft in öffentlicher Sitzung. Sie erfolgt im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung.
Verleihungen seit der friedlichen Revolution
Seit 1989 wurde das Rostocker Ehrenbürgerrecht bisher an folgende Persönlichkeiten verliehen:
· 1993: Dr. Yaakov Zur
Historiker – für sein Wirken zur Versöhnung zwischen Deutschland und Israel
· 1994: Walter Kempowski,
Schriftsteller – für sein literarisches Engagement für seine Geburtsstadt Rostock
· 2012: Dr. Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.
für sein Engagement für Demokratie, Freiheit und persönliche Verantwortung
· 2017: Dr. William Wolff, Landesrabbiner
für seinen Einsatz für Versöhnung, den interreligiösen Dialog und eine offene demokratische Gesellschaft
· 2018: Dietlind Glüer, Gemeindepädagogin und Bürgerrechtlerin
für ihr Wirken während der friedlichen Revolution und für die demokratische Entwicklung Rostocks
