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30 Jahre Rostocker Kläranlage: Zukunft sichern durch Investitionen und Weiterentwicklung

Meldung vom 09.09.2026 - Umwelt und Gesellschaft

Vor genau 30 Jahren wurde die technologisch umfangreich erweiterte Rostocker Kläranlage offiziell in Betrieb genommen. Seitdem hat sie sich von einem der bedeutendsten Umweltschutzprojekte Mecklenburg-Vorpommerns zu einem zentralen Baustein einer modernen Wasserwirtschaft entwickelt. Heute reinigt sie zuverlässig das Abwasser von rund 240.000 Menschen sowie Gewerbe und Industrie und gewährleistet kommunales und wirtschaftliches Wachstum in Rostock und der Region. Die Rostocker Kläranlage ist mit 400.000 Einwohnerwerten die größte Kläranlage in Mecklenburg-Vorpommern. Seit ihrer Erweiterung Mitte der 1990er Jahre zählt sie zu den modernsten Anlagen Deutschlands.

60 Millionen Euro für Modernisierung und Zukunftssicherheit

Um die hohe Betriebssicherheit und den erreichten technologischen Stand langfristig zu sichern, wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Anlagenteile erneuert und modernisiert. Seit der Inbetriebnahme der erweiterten Kläranlage flossen rund 60 Millionen Euro in die kontinuierliche Optimierung der technischen Anlagen und der Infrastruktur. Dadurch konnten die Energieeffizienz verbessert, die Zuverlässigkeit der Ausrüstung erhöht und die Voraussetzungen für eine leistungsfähige und zukunftssichere Abwasserbehandlung geschaffen werden.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Energierückgewinnung und der kontinuierlichen Optimierung des Energieeinsatzes. Durch die Nutzung des bei der Abwasserbehandlung entstehenden Klärgases konnte die Eigenversorgung der Anlage mit Strom Schritt für Schritt ausgebaut werden. Heute deckt die Rostocker Kläranlage rund 90 Prozent ihres Energiebedarfs durch selbst erzeugten Strom.

Größte Einzelinvestition der Anlagengeschichte

Derzeit läuft die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Anlage: der Neubau der mechanischen Vorreinigung als erste der sechs Aufbereitungsverfahren der Kläranlage.

Die bestehende Anlage wird nach rund drei Jahrzehnten Betriebszeit durch moderne Bauwerke ersetzt, die zusätzliche Kapazitäten bieten und wichtige Redundanzen. Bis Ende 2028 wird dieses Vorhaben für rund 36 Millionen Euro umgesetzt.
"Die mechanische Vorreinigung bildet den Einstieg in den gesamten Reinigungsprozess der Kläranlage und hat damit eine besondere Bedeutung für den sicheren Anlagenbetrieb. Mit ihrem Neubau investieren wir gezielt in die Zukunftsfähigkeit dieser zentralen Infrastruktur und stellen sicher, dass die Rostocker Kläranlage ihre Aufgaben auch in den kommenden Jahrzehnten zuverlässig erfüllen kann," betont Katja Gödke, Geschäftsführerin des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV).

Mehr als Abwasserreinigung: Energie, Ressourcen und Zukunftsaufgaben

Die Rostocker Kläranlage erfüllt heute deutlich mehr Aufgaben als noch vor 30 Jahren. Neben ihrer Kernaufgabe der Abwasserreinigung gewinnt sie zunehmend an Bedeutung als wichtiger Baustein einer nachhaltigen Wasser- und Kreislaufwirtschaft. Dabei rücken die im Abwasser enthaltenen Ressourcen immer stärker in den Fokus. Neben der zukünftigen Nutzung der im Abwasser enthaltenen Wärme im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung beschäftigt sich Nordwasser mit der Wiederverwendung aufbereiteten Abwassers als zusätzliche Wasserressource und prüft mit Partnern aus der Wissenschaft zukünftige Verfahren zur Entfernung von Spurenstoffen.
"Die Anforderungen an die Wasserwirtschaft verändern sich rasant. Neben einer zuverlässigen Abwasserreinigung entwickelt sich die Anlage zunehmend zu einem Standort, an dem Gewässer-, Ressourcen- und Klimaschutz zusammenwirken. Wir schaffen bereits heute die Voraussetzungen, um diese Entwicklungen aktiv zu gestalten. Von der Nutzung im Abwasser enthaltener Ressourcen über die Wasserwiederverwendung bis hin zur Erprobung intelligenter Steuerungssysteme entwickeln wir die Rostocker Kläranlage kontinuierlich weiter und machen sie fit für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte", unterstreicht Ulf Altmann, Geschäftsführer der Nordwasser.

Dialog über die Zukunft der Abwasserwirtschaft

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums kamen heute auf der Rostocker Kläranlage Vertreterinnen und Vertreter aus Landes- und Stadtverwaltung, Wasserwirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Partnerunternehmen zusammen. Zu den Gästen zählt unter anderem Dr. Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns. Im Mittelpunkt standen dabei die künftigen Anforderungen der europäischen Kommunalabwasser-richtlinie sowie die langfristige Weiterentwicklung wasserwirtschaftlicher Infrastrukturen.

Ein Blick zurück

Vorgänger der heutigen Kläranlage war eine einstufige Anlage, über die die Abwässer nach grober mechanischer Reinigung in die Unterwarnow flossen. Bei laufendem Betrieb wurde zwischen 1994 und 1996 auf begrenzter Fläche im Rostocker Stadtgebiet Bramow eine Aufbereitungsanlage errichtet, die in insgesamt sechs Verfahrensstufen die Abwässer reinigt. Damit begann in der Rostocker Geschichte die Zeit der umweltgerechten Abwasseraufbereitung. Die Belastungen der Warnow wurden um 95 Prozent reduziert und die strengen Grenzwerte der Helsinkier Konvention zur Reinhaltung der Ostsee (HELCOM) konnten sicher eingehalten werden. Für die Erweiterung der Kläranlage wurden damals 82 Millionen Euro investiert.

Der Warnow-Wasser- und Abwasserverband

ist Träger der öffentlichen Wasserversorgung und abwasserbeseitigungspflichtige Körperschaft für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock und für den Zweckverband Wasser-Abwasser Rostock-Land, dem 28 Gemeinden im Landkreis Rostock angehören.

Die Nordwasser GmbH

betreibt als kommunales Unternehmen im Auftrag des Warnow- Wasser- und Abwasserverbandes die Anlagen und Netze zur Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Mit etwa 310 Mitarbeitern versorgt die Nordwasser rund 270.000 Einwohner*innen sowie Industrie und Gewerbe mit Trinkwasser und bereitet das entstehende Abwasser auf.