Mehr ungeteilte Aufmerksamkeit im Familienalltag: Stadtweite Plakatkampagne sensibilisiert für bewusste Smartphone-Nutzung
Pressemitteilung vom
Smartphones sind aus dem Alltag von Familien kaum noch wegzudenken. Sie helfen beim Organisieren, ermöglichen den Austausch mit Familie und Freunden, liefern Informationen und dienen der Unterhaltung. Gleichzeitig erleben Kinder täglich, wie Eltern und andere Bezugspersonen von Smartphones abgelenkt werden – beim Essen, unterwegs, auf dem Spielplatz, beim Kinderwagenschieben, beim Warten auf den Bus.
Mit der stadtweiten Plakatkampagne „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“ regt die Hanse- und Universitätsstadt Rostock dazu an, die eigene Smartphone-Nutzung im Familienalltag zu hinterfragen. Wie können Familien digitale Medien nutzen und zeitgleich ausreichend Raum für ungestörte gemeinsame Zeit ermöglichen?
„Smartphones sind inzwischen in nahezu jedem deutschen Haushalt eingezogen. Sie gehören dazu. Problematisch wird es, wenn die Smartphone-Nutzung dazu führt, dass wir unsere Kinder nicht mehr wahrnehmen. Gerade kleine Kinder brauchen Nähe und Zuwendung“, verdeutlicht Steffen Bockhahn, Senator für Jugend und Soziales, Gesundheit, Schule und Sport, und ergänzt. „Wir möchten und können niemandem vorschreiben, wann und wie häufig das Smartphone genutzt werden sollte. Wir möchten aber dazu anregen, im Alltag Zeiten zu schaffen, in denen die volle Aufmerksamkeit dem Kind gehört.“
Die Kampagne „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“ wird in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. Bereits 2016 hatte Rostock auf die Bedeutung eines achtsamen Umgangs mit Smartphones im Beisein von Kindern aufmerksam gemacht. „Kinder brauchen den direkten Austausch mit ihren Bezugspersonen“, sagt Monique Bech, Fachberatung Jugendschutz, Jugendamt. Gemeinsames Spielen, Vorlesen oder Erzählen schaffen Gelegenheiten für Interaktion, für Blickkontakt, für Gespräche. „Besonders kleine Kinder brauchen diesen unmittelbaren Austausch für ihre Entwicklung. Die Smartphone-Ablenkung sorgt dafür, dass die Signale von Kindern später oder gar nicht wahrgenommen und beantwortet werden. Das kann sich zum Beispiel negativ auf die Sprachentwicklung auswirken“, erklärt Bech.
Sprache entwickelt sich nämlich wesentlich im direkten Miteinander: Kinder profitieren davon, wenn Erwachsene mit ihnen sprechen, ihre Aufmerksamkeit aufgreifen und Handlungen oder Beobachtungen sprachlich begleiten. Und auch für die emotionale Entwicklung spielt der unmittelbare Kontakt eine wichtige Rolle. Kinder orientieren sich an Mimik, Gestik und Reaktionen ihrer Bezugspersonen und lernen darüber, eigene und fremde Emotionen zu verstehen.
Die Kampagne will Smartphones ausdrücklich nicht verteufeln. Vielmehr lädt sie dazu ein, die eigene Mediennutzung im Familienalltag zu hinterfragen: Wann ist das Smartphone hilfreich und notwendig – und wann kann es für einen Moment zur Seite gelegt werden? Eltern sollen darin bestärkt werden, bewusste gemeinsame Momente zu schaffen. Gleichzeitig macht die Kampagne auf die Vorbildfunktion von Erwachsenen aufmerksam. Denn Kinder lernen den Umgang mit digitalen Medien nicht zuletzt dadurch, wie Eltern und andere Bezugspersonen diese Geräte selbst nutzen.
Neben Eltern richtet sich die Aktion auch an pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten, Horten, Familienbildungsstätten und Familienzentren. Die Plakate bieten einen niedrigschwelligen Gesprächsanlass, um gemeinsam über Mediennutzung nachzudenken. So soll die Kampagne Gespräche zwischen Eltern und Kindern ebenso anregen wie den Austausch zwischen Familien und pädagogischen Fachkräften.
Begleitet wird die Plakatkampagne von einem kostenlosen Online-Elternabend am Dienstag, 27. Oktober 2026, von 20 bis 21.30 Uhr. Gemeinsam mit dem Medienexperten Christian Krieg von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV geht es um Fragen, die viele Eltern im Alltag beschäftigen: Ab welchem Alter können Kinder mediale Inhalte verstehen? Wie können Eltern ihre Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen? Und wie lassen sich digitale Medien angemessen in den Familienalltag integrieren?
Christian Krieg gibt dazu alltagsnahe Anregungen und konkrete Tipps. Typische Situationen aus dem Familienleben werden dabei auch aus der Perspektive der Kinder betrachtet. Ziel ist es, Eltern in ihrer Rolle als Vorbilder und wichtigste Begleiter ihrer Kinder beim Umgang mit Medien zu stärken und Wege zu einem entspannten, bewussten Medienalltag aufzuzeigen.
Eine Anmeldung zum Online-Elternabend ist nicht erforderlich. Interessierte können am 27. Oktober den auf den Kampagnenmaterialien veröffentlichten QR-Code scannen und direkt an der Veranstaltung teilnehmen.
