Großes Zoo- und Dahlienfest am 13. September steht ganz im Zeichen des wiedereröffneten Eingangs an der Trotzenburg
Ein Stück Rostocker Geschichte ist zurück. Nach nahezu zwei Jahren intensiver Bauzeit ist die denkmalgerechte Sanierung des traditionsreichen Zooeingangs an der Trotzenburg abgeschlossen. Heute wurde das 1909 errichtete Gebäude im Beisein von Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger, Förderern, Planern, am Bau Beteiligten und vielen weiteren Gästen feierlich wiedereröffnet. Ab Freitag, dem 11. September, können die Besucherinnen und Besucher den Zoo wieder regulär durch den historischen Eingangsbereich betreten. Am Sonntag, dem 13. September, wird die Rückkehr des Eingangs an der Trotzenburg beim Großen Zoo- und Dahlienfest gemeinsam mit den Zoogästen gefeiert.
Die denkmalgerechte Sanierung des historischen Zooeingangs wurde durch einen Investitionszuschuss der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, mit Mitteln des Sonderprogramms X der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie durch Spenden der OSPA Rostock und weiterer Spenderinnen und Spender ermöglicht. Rund 1,7 Millionen Euro wurden in die aufwendige Wiederherstellung und Modernisierung des denkmalgeschützten Ensembles aus Gebäude und Pergolenanlage investiert. Entstanden ist ein Gebäude, das seine mehr als hundertjährige Geschichte sichtbar bewahrt und zugleich die Anforderungen eines modernen Zooeingangs erfüllt. Restaurierte Bauteile, traditionelle Handwerkstechniken und historische Gestaltungselemente treffen auf Barrierefreiheit, zeitgemäßen Besucherservice, verbesserte Arbeitsbedingungen und nachhaltige Gebäudetechnik.
"Mit dem historischen Eingang an der Trotzenburg erstrahlt ein Kleinod nun in neuem Glanz. Dieser Ort erzählt Rostocker Geschichte und ist für viele Menschen mit ganz persönlichen Erinnerungen verbunden", betonte Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger. "Dass es gelungen ist, dieses architektonische Erbe zu bewahren, verdanken wir vielen engagierten Menschen. Die Handwerksbetriebe, der Zoo selbst und sein Förderverein sowie die Stadtverwaltung können stolz sein."
Von der Straßenbahn-Wartehalle und Sanitäranlage zum Tor in den Tiergarten Die Wurzeln des Gebäudes reichen bis in die frühen Jahre des Rostocker Tiergartens zurück. Bereits zwischen 1883 und 1886 begann Stadtförster und Jäger Robert Schramm rund um den heutigen Pelikanteich mit der Pflanzung wertvoller ausländischer Gehölze. 1898 richtete er dort einen kleinen Tiergarten ein; ein Jahr später wurde der erste Tierwärter eingestellt. 1899 gilt deshalb als offizielles Gründungsjahr des Rostocker Zoos.
Nur wenige Jahre später erhielt das Areal einen repräsentativen Zugang. Nach Plänen des Rostocker Stadtbaumeisters Hermann Tessendorf begannen 1908 die Arbeiten an dem Gebäude an der Trotzenburg. Ursprünglich war es als Wartehalle für die Straßenbahn und als öffentliche Sanitäranlage vorgesehen. Das nahe gelegene Ausflugslokal Trotzenburg hatte bereits 1904 eine eigene Haltestelle der "Elektrischen" erhalten.
1909 wurde der Bau fertiggestellt, 1910 entstand hier - ergänzt um eine Pergolenanlage - der Zugang zum damaligen "Wild- und Dendrologischen Garten". Tessendorf orientierte sich am Heimatstil seiner Zeit. Eine offene Säulenhalle betonte die Eingangsfront, Fachwerkelemente schmückten die Fassaden. Kleinteilige Verglasungen, ein weit auskragendes Walmdach, geschwungene Giebelabschlüsse und ein verzierter Schornsteinkopf gaben dem Bau sein charakteristisches Erscheinungsbild.
Über Jahrzehnte hinweg wurde das Haus immer wieder verändert und neuen Nutzungen angepasst. Seit 1970 diente es als Kasse und Lager des Zoos. 1984 wurde das Gebäude gemeinsam mit dem historischen Zooteil unter Denkmalschutz gestellt. Viele ursprüngliche Strukturen waren zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits überformt oder nicht mehr sichtbar.
"Fast zwei Jahre Sanierung waren für uns und alle Beteiligten vor diesem Hintergrund eine enorme Kraftanstrengung. Umso größer ist heute die Freude darüber, was hier nach einer bewegten Gebäudehistorie entstanden ist", sagte Zoodirektorin Antje Angeli. "Mein besonderer Dank gilt der Stadt Rostock, unseren Förderern und Spendern, den Planern André George und Hannes Rother sowie den vielen Bau- und Handwerksbetrieben, von denen zahlreiche aus unserer Region kommen und mit dem Zoo eng verbunden sind. Von Herzen danke ich auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die knapp zwei Jahre lang im kleinen Ausweichquartier die Stellung gehalten haben, um unsere Zoogäste zu empfangen. Mit ihrer Erfahrung, ihren Ideen und so viel Herzblut haben sie die schöne und funktionale Innengestaltung mitgeprägt. Ebenso danken wir unseren Besucherinnen und Besuchern für ihre Geduld während der langen Bauphase. Schon beim Betreten des Gebäudes ist jetzt wieder diese besondere Aura zu spüren, die den historischen Teil unseres Zoos auszeichnet."
Schicht für Schicht zurück zum Original
Als die umfassenden Freilegungsarbeiten im März 2024 begannen, ging es nicht allein darum, ein mehr als hundert Jahre altes Haus technisch instand zu setzen. Vor der eigentlichen Ausführung fanden umfangreiche Untersuchungen statt. Historische Materialien, Farbschichten und frühere Bauzustände wurden analysiert und dokumentiert. Erst diese Spurensuche machte es möglich, die ursprüngliche Architektur wieder stärker hervortreten zu lassen.
Nach der vollständigen Entkernung von sekundären Einbauten folgten unter anderem Abdichtungs-, Maurer- und Zimmererarbeiten. Besondere Sorgfalt galt dem Dach. Noch verwendbare historische Ziegel wurden geborgen, aufgearbeitet und gemeinsam mit neuen Ziegeln wieder eingesetzt. Vorhandene Holzbalken und Mauersteine konnten größtenteils erhalten oder an anderer Stelle erneut verwendet werden. An der Außenfassade kam mit dem sogenannten Leierputz eine traditionelle und heute nur noch selten angewandte Technik zum Einsatz. Seinen Namen verdankt das Verfahren der "Putzleier", einem handbetriebenen Werkzeug, mit dem die charakteristische lebendige und leicht raue Oberfläche erzeugt wird.
Auch bei den Fenstern und Türen stand die Verbindung von Bestandserhalt und zeitgemäßer Funktion im Mittelpunkt. Originalfenster wurden, soweit möglich, aufgearbeitet und neu verglast; ergänzend kamen dem historischen Erscheinungsbild angepasste Elemente mit moderner Dreifachverglasung hinzu. Eichentüren greifen die ursprüngliche Gestaltung auf. Im Inneren erinnert ein roter Begleitstrich an frühere Zeiten. Draußen setzt sich dieser Anspruch mit historischen Klinkersteinen und der neu errichteten Pergola fort. Hellgrüne Holz- und Zaunelemente fassen den Weg in den Zoo ein.
Ein historisches Gebäude mit modernem Innenleben
So traditionsbewusst die Gestaltung ist, so zeitgemäß präsentiert sich der Eingang an der Trotzenburg bei Service, Komfort und Technik. Eine wesentliche Verbesserung ist die konsequent barrierefreie Wegeführung. Menschen im Rollstuhl, Eltern mit Kinderwagen und Gäste mit eingeschränkter Mobilität gelangen künftig komfortabel durch das Gebäude in den Zoo.
Anders als früher werden die Tickets nun direkt im Haus gekauft. Dafür stehen drei Kassenplätze zur Verfügung. Herzstück des Besucherraums ist ein moderner Tresen mit höhenverstellbaren Bereichen, der Begegnungen auf Augenhöhe ermöglicht. Ein modulares Regalsystem ergänzt die neue Ausstattung. Direkt im Foyer informiert künftig ein Bildschirm über Fütterungszeiten, Veranstaltungen und aktuelle Angebote.
Auch bei der Raumqualität wurden Lösungen gefunden, die sich weitgehend unauffällig in die historische Architektur einfügen. Ein spezieller Akustikputz an der Decke dämpft den Geräuschpegel, wenn an besucherstarken Tagen viele Menschen gleichzeitig ankommen. Eine moderne Wandheizung schafft in der kalten Jahreszeit angenehme Temperaturen.
Deutlich verbessert haben sich zugleich die Arbeitsbedingungen für das Zooteam. Moderne Arbeitsplätze, neue Sanitärbereiche und eine Mitarbeiterküche gehören zur Ausstattung. Einen besonderen Arbeitsplatzvorteil gibt es gratis dazu - von den Kassen öffnet sich der Blick direkt auf den Pelikanteich und in den historischen und damit einen der traditionsreichsten Bereiche des Zoos.
Denkmalschutz und Nachhaltigkeit zusammengedacht
Bei der Energieversorgung verbindet der Eingang an der Trotzenburg historische Bausubstanz mit moderner Umwelttechnik. Eine Wärmepumpe übernimmt die nachhaltigere Beheizung des mehr als hundert Jahre alten Gebäudes. Wo es möglich war, wurden außerdem vorhandene Baustoffe erhalten, aufgearbeitet und wiederverwendet.
Auch tierische Bewohner wurden bei den Planungen berücksichtigt. Im Keller entstanden spezielle Nist- und Rückzugsmöglichkeiten für Fledermäuse. Über eine eigene Einflugluke können die Tiere ihr Quartier erreichen. Damit verbindet das Projekt baulichen Denkmalschutz mit einem Anliegen, das für einen Zoo selbstverständlich eine besondere Bedeutung besitzt - dem Schutz heimischer Arten.
Gemeinsam ein Stück Rostock bewahrt
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich mit 20.000 Euro gezielt an der denkmalgerechten Instandsetzung des Daches. Die Stiftung förderte unter anderem den Rückbau, die Aufarbeitung wiederverwendbarer Dachziegel, die Biberschwanz-Doppeldeckung sowie Dachklempnerarbeiten. Alle damit verbundenen Maßnahmen waren an strenge denkmalpflegerische Vorgaben geknüpft.
"Als wir das historische Zoohäuschen vor Beginn der Arbeiten betrachteten, war sein besonderer Denkmalwert für viele Besucherinnen und Besucher kaum noch in seiner ursprünglichen Qualität wahrnehmbar. Heute können wir wieder erleben, welche architektonische Wirkung in diesem kleinen, aber für Rostock so bedeutenden Gebäude steckt", erklärte Ralf Schinke, ehrenamtlicher Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Rostock. "Es ist eine große Freude zu sehen, mit welcher Sorgfalt historische Substanz erhalten und verlorene Qualitäten zurückgewonnen wurden. Der Eingang an der Trotzenburg zeigt beispielhaft, warum sich der Einsatz für unsere Kulturdenkmale lohnt. Sie bleibt ein lebendiger Ort - und genau darin liegt ihre besondere Stärke."
Zu den langjährigen Unterstützern des Rostocker Zoos gehört auch die OstseeSparkasse Rostock. Die OSPA engagierte sich insbesondere für die Gestaltung der Außenanlagen mit Pergola, Zäunen und weiteren Elementen des neuen Eingangsensembles. "Der Rostocker Zoo ist seit vielen Jahren ein wichtiger Partner der OSPA und eine Institution, die weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt. Deshalb war es uns ein besonderes Anliegen, auch bei diesem außergewöhnlichen Projekt an seiner Seite zu stehen", sagte Karsten Pannwitt, Vorstand der OstseeSparkasse Rostock. "Mit dem Eingang an der Trotzenburg wurde nicht einfach nur ein Gebäude saniert. Hier ist ein Stück Rostocker Identität für kommende Generationen bewahrt worden. Wir freuen uns, dass wir insbesondere dazu beitragen konnten, dem historischen Bauwerk auch im Außenbereich wieder einen hochwertigen und einladenden Rahmen zu geben."
Denkmalpflege als Teil der Zukunftsstrategie
Der Eingang an der Trotzenburg steht zugleich für einen grundsätzlichen Anspruch des Rostocker Zoos. Ausgehend von seinen historischen Wurzeln entwickelte sich rund um den Pelikanteich ein etwa 5,5 Hektar großer Parkbereich, der seit 1984 unter Denkmalschutz steht. Historische Gebäude, Wege, Gehölze und Sichtachsen prägen bis heute den besonderen Charakter dieses Areals.
Um dieses Erbe langfristig mit den Anforderungen an einen modernen zoologischen Garten zu verbinden, erarbeitet der Zoo Rostock eine denkmalpflegerische Zielstellung. Sie bildet den Rahmen dafür, wertvolle Bausubstanz zu erhalten und zugleich zeitgemäße Tierhaltung, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit und Besucherkomfort zu ermöglichen.
Der sanierte Eingang macht diesen Ansatz nun unmittelbar sichtbar. Historische Elemente wurden nicht zur Kulisse, sondern wieder zum prägenden Bestandteil eines Gebäudes, das täglich genutzt werden soll. Damit erfüllt der Eingang mehr als hundert Jahre nach seiner Entstehung erneut eine wegweisende Funktion. Schon 1910 markierte er den Aufbruch des damaligen "Wild- und Dendrologischen Gartens". Heute steht er für den Anspruch, die Wurzeln des Zoos zu bewahren und daraus Zukunft zu gestalten.
Am 13. September wird gemeinsam gefeiert
Nach der feierlichen Eröffnung am 10. September und dem Start des regulären Besucherverkehrs einen Tag später gehört der Sonntag ganz den Zoogästen. Beim Großen Zoo- und Dahlienfest am 13. September wird die Wiedereröffnung des Eingangs an der Trotzenburg gemeinsam mit allen Besucherinnen und Besuchern gefeiert.
Passend zum Anlass rückt dabei auch die mehr als 125-jährige Geschichte des Zoo Rostock in den Mittelpunkt. Rund um den historischen Eingang und im gesamten Zoo sind Aktionen und Überraschungen geplant, die Spuren aus früheren Zeiten aufnehmen und Erinnerungen an vergangene Zoobesuche wecken.
Dann wird der traditionsreiche Eingang wieder das sein, was er für Generationen von Rostockerinnen und Rostockern war - der Beginn eines Zoobesuchs - und zugleich ein Tor zwischen Geschichte und Gegenwart.