Wie im Zoo Rostock jeden Tag Hand in Hand für Tierwohl und Artenschutz gearbeitet wird
Zum Welttierschutztag am 4. Oktober wirft der Zoo Rostock einen Blick hinter die Kulissen. Tierpfleger- und Tierärzteteams, Gärtnerinnen und Gärtner, Handwerkerinnen und Handwerker, Forschende, Pädagoginnen und Pädagogen: In wissenschaftlich geführten Zoos sorgen Menschen aus Dutzenden Berufen gemeinsam für Tierwohl, Artenschutz, Forschung und Bildung - oft lange bevor die ersten Gäste den Zoo besuchen. Um halb acht beginnt der Dienst des Tierpflegerteams im Darwineum. Manuel Kiep befindet sich hinter den Kulissen der großen Tropenhalle, begrüßt die Gorillagruppe in ihren Schlafräumen und schaut ganz genau hin: Haben die Tiere gefressen? Bewegen sie sich wie gewohnt? Sind sie aufmerksam? "Unser Team sieht schon am Verhalten der Gruppe, ob etwas nicht stimmt", sagt Manuel, der seit 21 Jahren als Tierpfleger im Zoo Rostock arbeitet. Beobachtungen wie diese stehen am Anfang eines Arbeitstages in einem modernen Zoo, von dem Besucherinnen und Besucher im Alltag kaum etwas mitbekommen.
So oder ähnlich beginnt der Morgen in den 71 wissenschaftlich geführten Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien - zu denen auch der Zoo Rostock gehört. Rund 41 Millionen Gäste besuchen diese Zoos jährlich. Sie kommen wegen der Tiere. Was sie selten sehen: das große Team, das sich für die Tiere einsetzt. Vor fast 100 Jahren wurde am 4. Oktober der Welttierschutztag ausgerufen, um auf die besondere Verantwortung des Menschen für die Tiere aufmerksam zu machen. In den Zoos ist das gelebte Realität - an jedem Tag im Jahr.
Von der Pflege bis zur Futterküche hin zur Werkstatt
Hinter den Kulissen eines Zoos greifen zahlreiche Berufe ineinander: Tierpflegende begleiten ihre Schützlinge über Jahre hinweg. Biologinnen und Biologen sind für das Populationsmanagement im Zoo verantwortlich und planen, wie ein Lebensraum im Zoo gestaltet werden muss, damit die Bedürfnisse der tierischen Bewohner erfüllt sind. Tierärztinnen und Tierärzte kümmern sich um die medizinische Versorgung der unterschiedlichsten Tierarten - vom Frosch bis zum Zwergflusspferd.
Darüber hinaus tragen Gärtnerinnen und Gärtner, die Mitarbeitenden aus Handwerk und Haustechnik, Pädagoginnen und Pädagogen sowie die Mitarbeitenden der Verwaltung dazu bei, den Zoo täglich mitzugestalten und seinen reibungslosen Betrieb sicherzustellen. VdZ-Zoos schaffen über 7.000 Arbeitsplätze im deutschsprachigen Raum.
"Tierwohl entsteht nicht auf dem Papier, sondern wird jeden Tag gelebt. Es braucht ein Team von gut ausgebildeten Menschen - im Stall, in der Werkstatt, im Management und in der Verwaltung", sagt Volker Homes, VdZ-Geschäftsführer. "Um die Aufgaben der Zoos umzusetzen brauchen wir Expertinnen und Experten mit sehr unterschiedlichen Berufen, die das gemeinsame Ziel haben: Den Tieren geht es gut! Wir lernen jeden Tag mehr über sie und geben dieses Wissen und die Begeisterung auch an unsere Besucherinnen und Besucher weiter. Und wir teilen es mit einem großen globalen Netzwerk mit vielen aktiven Partnern, denn nur gemeinsam können wir bedrohte Arten schützen."
Ein Ort zum Lernen, Forschen, Staunen
Für viele Menschen ist der Zoo der erste Ort, an dem sie einem Eisbären, einer Eule oder einem Löwen gegenüberstehen. Oder es ist die seltene Gelegenheit, einem Tier nahe zu sein. Zoopädagoginnen und -pädagogen machen aus dieser Faszination Unterricht zum Anfassen. Jährlich nutzen rund 1,2 Millionen Gäste die über 170.000 Bildungsangebote der VdZ-Zoos.
"Allein im Zoo Rostock haben im vergangenen Jahr rund 13.000 Schülerinnen, Schüler und Jugendliche unsere Zooschule besucht", sagt Zoodirektorin Antje Angeli. "Viele Kinder sehen bei uns zum ersten Mal einen Humboldt-Pinguin aus der Nähe. Wenn sie danach wissen, wo er lebt, warum seine Art bedroht ist und wie man die Tiere schützt, haben wir einen wichtigen Beitrag geleistet."
Auch die Forschung lebt von Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Hochschulen und weiteren Forschungseinrichtungen widmen sich Zoos unter anderem Fragen zu Verhalten, Ernährung und Gesundheit von Tieren. Die Erkenntnisse helfen den Tieren im Zoo und oft auch ihren Artgenossen in der Natur. Die VdZ-Zoos wirken jährlich an rund 200 wissenschaftlichen Studien mit.
Teamarbeit als Brücke zwischen Zoo und Natur: Schutzprojekt für den Sandregenpfeifer
Mehrere hundert wissenschaftlich geführte Zoos in ganz Europa stimmen sich ab, welche Tiere in welchem Zoo leben und Nachwuchs bekommen. So bleiben gesunde, genetisch vielfältige Bestände bedrohter Arten erhalten. Was das bewirken kann, zeigen Tiere wie der Europäische Wisent, der Luchs, der Kulan, der Gänsegeier, die Europäische Sumpfschildkröte und noch viele weitere, die wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum angesiedelt werden können.
Auch der Zoo Rostock setzt sich bereits seit Jahren erfolgreich für den Natur- und Artenschutz ein und beteiligt sich gemeinsam mit vielen Partnern an Initiativen zur Bewahrung bedrohter Tierarten. Zum Beispiel gibt es in Mecklenburg-Vorpommern seit 2024 ein gemeinsames Artenschutzprojekt zwischen der Fachgruppe Ornithologie Rostock, NABU Mittleres Mecklenburg und dem Zoo Rostock, um den starken Rückgang der Bestände des Sandregenpfeifers (Charadrius hiaticula) an der Ostseeküste aufzuhalten. Das Gemeinschaftsprojekt sieht vor, durch gezielte Schutzmaßnahmen, Überwachungen und die Aufzucht gefährdeter Gelege im Zoo eine stabile Population des Küstenvogels aufzubauen.
"Mit weniger als 1.000 Brutpaaren gilt der Sandregenpfeifer in Deutschland als vom Aussterben bedroht", betont Zoodirektorin Antje Angeli. "Ohne den Einsatz für ihre Lebensräume und gezielte Schutzmaßnahmen hätte der Sandregenpfeifer an unseren Küsten kaum eine Überlebenschance. Die Erfolge der letzten Jahre zeigen, dass unser gemeinsames Engagement wirkt. Fast alle in diesem Jahr eingerichteten Schutzflächen wurden von den Vögeln angenommen, und an vielen Stellen konnten bereits Bruterfolge verzeichnet werden. Entscheidend bleibt, dass Naturschutz und rücksichtsvolle Strandnutzung Hand in Hand gehen. Jeder flügge gewordene Jungvogel bringt uns unserem Ziel einen Schritt näher."
Zoos arbeiten eng mit Universitäten, Naturschutzorganisationen und Behörden zusammen und unterstützen Schutzprojekte vor Ort. Jährlich wildern sie in gemeinsamen Projekten rund 500 Tiere aus rund 20 gefährdeten Tierarten in Europa aus und zusätzlich über 230.000 Insekten, Amphibien und Fische. Und sie engagieren sich mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden in mindestens 155 Projekten in 55 Ländern weltweit. "Heute sind viele Mitglieder des VdZ Teil des Netzwerks der Weltnaturschutzunion IUCN und Experten aus Zoos leisten einen direkten Beitrag zur Arbeit der IUCN-Kommission für das Überleben gefährdeter Arten. Durch diese Zusammenarbeit unterstützen das Wissen und die Fachkompetenz der Zoogemeinschaft den Artenschutz sowohl in der Wildnis als auch durch die Haltung bedrohter Tierarten", sagt Ihre Exzellenz Razan Khalifa Al Mubarak, IUCN-Präsidentin. "Der Verband der Zoologischen Gärten spiegelt dieses Engagement wider. Die Zoos dieses Verbandes begrüßen jedes Jahr Dutzende Millionen Besucher, leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung und unterstützen Schutzprojekte auf der ganzen Welt. In einer Zeit, in der der Verlust der biologischen Vielfalt eine der größten modernen Herausforderungen darstellt, sind Partnerschaften wie diese wichtiger denn je."