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Ein Ort fürs Leben: Klinikum Südstadt Rostock präsentiert Pläne für neues Hospiz

Meldung vom 28.10.2026 - Umwelt und Gesellschaft

Modernes Haus mit besonderer Architektur soll schwerstkranken Menschen Geborgenheit und Lebensqualität bis zuletzt bieten - Spendenkampagne startet

Ein geschützter Rückzugsort mit Blick ins Grüne, großzügige Einzelzimmer mit eigenen Terrassen, viel Raum für Begegnungen und gemeinsame Stunden für Familien, Angehörige und Freunde - das Klinikum Südstadt Rostock hat heute gemeinsam mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock die Pläne für den Neubau des Hospizes am Südring vorgestellt. Unter dem Leitgedanken "Ein Ort fürs Leben" soll ein modernes Haus entstehen, das schwerstkranken und sterbenden Menschen auch künftig eine würdevolle, selbstbestimmte und möglichst unbeschwerte letzte Lebensphase ermöglicht. Zugleich wurde eine breit angelegte Spendenkampagne vorgestellt, mit der die Rostocker Stadtgesellschaft eingeladen wird, das besondere Zukunftsprojekt von Beginn an zu begleiten und zu unterstützen.
Seit fast drei Jahrzehnten gehört das Hospiz am Klinikum Südstadt Rostock zu den wichtigsten Einrichtungen der Sterbebegleitung in Mecklenburg-Vorpommern. Am 13. Oktober 1998 als erstes stationäres Hospiz des Landes mit sechs Plätzen eröffnet, wurde es 2005 auf zehn Plätze erweitert. Im Jahr 2028 begeht die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen. Zugleich soll dann mit dem geplanten Neubau die Zukunft der Hospizversorgung in Rostock langfristig gesichert werden.

Eine Investition in Menschlichkeit und Lebensqualität

"Das Hospiz am Klinikum Südstadt Rostock ist seit fast 30 Jahren ein besonderer Bestandteil unserer Stadt. Hier erfahren Menschen in einer äußerst sensiblen Lebensphase menschliche Nähe, professionelle Begleitung und die Gewissheit, nicht allein zu sein. Als Kommune mit unserem städtischen Klinikum tragen wir gemeinsam Verantwortung dafür, dass diese wertvolle Arbeit auch in Zukunft unter bestmöglichen Bedingungen fortgesetzt werden kann", betonte Dr. Chris von Wrycz Rekowski, Senator für Finanzen, Digitalisierung und Ordnung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, bei der Vorstellung des Projekts.

"Mit dem geplanten Neubau investieren wir nicht nur in ein modernes Gebäude, sondern vor allem in Menschlichkeit und Lebensqualität. Ein Hospiz gehört zu einer Stadt, die für ihre Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensphasen da sein möchte. Deshalb wünsche ich mir, dass viele Rostockerinnen und Rostocker dieses Vorhaben zu ihrer gemeinsamen Sache machen", so der Senator.
Der Bedarf an einer zeitgemäßen Hospizversorgung wächst in allen Altersgruppen. Schon heute sind die vorhandenen Kapazitäten begrenzt. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an die räumliche Gestaltung, die pflegerische Versorgung und die Möglichkeiten zur Einbeziehung von Angehörigen weiterentwickelt.

"Wir sind stolz auf unser Hospiz, auf die besondere Atmosphäre und vor allem auf die Menschen, die hier mit großer fachlicher Kompetenz und persönlicher Hingabe arbeiten. Die vielen positiven Rückmeldungen unserer Gäste sowie ihrer Angehörigen zeigen uns immer wieder, wie wertvoll diese Einrichtung für Rostock und die gesamte Region ist", erklärte Prof. Dr. Jan P. Roesner, Ärztlicher Direktor des Klinikums Südstadt Rostock. "Gerade diese Wertschätzung und der bestehende wie auch der künftig zu erwartende Versorgungsbedarf haben uns motiviert, langfristig zu denken. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, um unsere hospizliche und palliativmedizinische Versorgung weiterzuentwickeln, den Gästen mehr Privatsphäre und ihren Angehörigen mehr Raum für gemeinsame Zeit zu geben. Zugleich möchten wir unserem Team moderne und gute Arbeitsbedingungen bieten. Mit dem Neubau schaffen wir dafür eine wichtige Grundlage", so Roesner.

Architektur als schützende Umarmung

Wie das neue Hospiz aussehen könnte, erläuterte der Rostocker Architekt Tilo Ries, der das architektonische Konzept entwickelt hat. Sein Entwurf orientiert sich an einem zentralen Gedanken der Hospizbewegung. Nicht die Krankheit, sondern der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Beziehungen steht im Mittelpunkt.

Das eingeschossige Gebäude soll sich in einem sanft geschwungenen Bogen zum parkartigen Außenbereich öffnen. Die Architektur erinnert an zwei schützende Arme, die sich um die Gäste, wie die Bewohnerinnen und Bewohner im Hospiz genannt werden, legen. Drei ineinandergreifende Bereiche verbinden individuelle Rückzugsmöglichkeiten, Gemeinschaft und professionelle Fürsorge.
"Ein Hospiz ist kein gewöhnliches Pflegegebäude. Es muss Schutz und Geborgenheit vermitteln, ohne einzuengen, und gleichzeitig Offenheit, Licht und Lebensfreude ermöglichen. Unser Entwurf folgt deshalb der Geste einer schützenden Umarmung. Die Architektur soll den Menschen nicht vorschreiben, wie sie ihre Zeit verbringen, sondern ihnen möglichst viele Freiheiten eröffnen - für Gemeinschaft ebenso wie für Ruhe und Rückzug", erläuterte Architekt Tilo Ries.

Das Herzstück des Hauses bildet eine großzügige, lichtdurchflutete Wohnküche mit gemeinsamem Ess- und Wohnbereich. Auf rund 68 Quadratmetern soll eine Atmosphäre entstehen, die weniger an eine Pflegeeinrichtung als an ein behagliches Zuhause erinnert. Eine angrenzende Terrasse öffnet den Gemeinschaftsbereich zum Garten. Hier können die Gäste gemeinsam essen, Besuch empfangen, miteinander reden, lachen oder einfach die Natur genießen.

Ein weiterer besonderer Bereich ist der Raum der Stille mit einem begrünten Innenhof. Ein einzelner Baum, beispielsweise ein Ginkgo oder eine japanische Kirsche, soll dort zum Sinnbild für Leben, Erinnerung und Verbundenheit werden. Der Raum bietet Möglichkeiten für persönliche Gespräche, Besinnung, Gebet und Abschied.

Eigene Terrassen und viel Privatsphäre

In den beiden geschwungenen Gebäudeflügeln sind 14 großzügige Einzelzimmer vorgesehen. Die Gästezimmer mit einer Fläche von jeweils rund 30 Quadratmetern einschließlich Bad sind nach Westen ausgerichtet und ermöglichen einen freien Blick in den parkartigen Außenbereich.

Jedes Zimmer erhält eine eigene, großzügig überdachte Terrasse. Damit entsteht ein fließender Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Die Gäste können die Natur unmittelbar erleben, frische Luft genießen und gemeinsam mit ihren Angehörigen geschützte Stunden im Freien verbringen. Die Zimmer sollen individuell gestaltet werden können und verfügen über barrierefreie Bäder. Besonders wichtig ist die Möglichkeit, dass Angehörige direkt im Zimmer übernachten können. Dafür sind ausklappbare Betten vorgesehen. Zusätzlich ist ein separates Angehörigenzimmer geplant.

Auch die Arbeitsbereiche für die medizinische, pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung sind sorgfältig in das Konzept integriert. Kurze Wege, zentral angeordnete Dienstzimmer und funktionale Arbeitsräume sollen eine optimale Betreuung ermöglichen, ohne dass der Pflegealltag die wohnliche Atmosphäre dominiert. Eigene Räumlichkeiten sind zudem für den Ambulanten Hospizdienst vorgesehen.
Nach der vorliegenden Planung umfasst das Gebäude rund 1.056 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Eine erste Kostenschätzung des Architekturbüros beläuft sich auf ca. vier bis fünf Millionen Euro. Die tatsächlichen Investitionskosten werden im Zuge der weiteren Projektentwicklung und Konkretisierung der Planungen ermittelt.

Im Hospiz geht es um das Leben - bis zuletzt

Für Hospizleiterin Simone Lahl steht bei allen baulichen Überlegungen der Mensch im Mittelpunkt. Seit Juli 2025 leitet sie die Einrichtung am Klinikum Südstadt Rostock und bringt langjährige Erfahrungen aus der Hospiz- und Pflegearbeit mit.
"Viele Menschen verbinden mit einem Hospiz zunächst Traurigkeit, Abschied und Tod. Natürlich gehören diese Gefühle zu unserem Alltag. Aber bei uns wird auch gelacht, erzählt, gemeinsam gegessen und gefeiert. Wir versuchen, Wünsche zu erfüllen und schöne Momente zu ermöglichen. Unsere Gäste sollen nicht das Gefühl haben, in einer Einrichtung untergebracht zu sein, sondern sich angenommen, geborgen und zu Hause fühlen", sagte Simone Lahl.

"Der Neubau eröffnet uns wunderbare Möglichkeiten, diese Haltung noch stärker mit Leben zu füllen. Ein eigenes Zimmer mit Terrasse, ein gemeinsamer Wohnbereich, der Garten und die Möglichkeit für Angehörige, jederzeit ganz nah zu sein - das alles kann in dieser besonderen Lebensphase unglaublich wertvoll sein. Denn auch wenn die verbleibende Zeit begrenzt ist, soll sie so selbstbestimmt, lebenswert und erfüllt wie möglich gestaltet werden", unterstrich die Hospizleiterin.

Schon heute prägen viele besondere Erinnerungen den Alltag des Rostocker Hospizes. Dazu gehören Geburtstagsfeiern, gemeinsame Stunden in den Strandkörben des Gartens und die Erfüllung letzter Herzenswünsche. Nicht selten entstehen gerade in dieser intensiven Zeit Momente großer Nähe und Lebensfreude. Das neue Haus soll an diese Tradition anknüpfen und zugleich neue Möglichkeiten für eine individuelle Begleitung eröffnen.

"Ein Ort fürs Leben" - Rostock ist zum Mitmachen eingeladen

Parallel zur Präsentation der Neubaupläne wurde am 28. Oktober die Spendenkampagne "Ein Ort fürs Leben" vorgestellt. Mit ihr möchten das Klinikum Südstadt Rostock und seine Unterstützer möglichst viele Menschen, Unternehmen, Vereine, Stiftungen und gesellschaftliche Institutionen für das Vorhaben gewinnen.

Die Botschaft ist bewusst positiv gewählt. Hospizarbeit bedeutet nicht nur Begleitung beim Sterben, sondern vor allem die Gestaltung der verbleibenden Lebenszeit. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen deshalb Geborgenheit, Nähe, Familie, Licht, Natur und Gemeinschaft.
Da derzeit noch offen ist, in welchem Umfang öffentliche Fördermittel für den Neubau zur Verfügung stehen werden, kommt dem bürgerlichen Engagement eine besondere Bedeutung zu. Die Spendenaktion soll die weitere Projektentwicklung begleiten und dazu beitragen, das Vorhaben finanziell auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen.

Zum Kampagnenstart wird das Neubauprojekt mit einer eigens gestalteten Informationskarte vorgestellt. Sie zeigt eine Visualisierung des künftigen Hospizes und erläutert, warum Rostock ein neues Haus benötigt. Über einen QR-Code sollen Interessierte künftig eine digitale Projektseite erreichen, auf der sie sich über die Planungen, den Baufortschritt, wichtige Termine und die Entwicklung des Spendenaufkommens informieren können.

Gemeinsam mit dem Hospizförderverein soll darüber hinaus ein Netzwerk von Unterstützerinnen und Unterstützern entstehen. Geplant sind auch gemeinsame Aktionen mit Unternehmen, Sportvereinen, kulturellen Einrichtungen und weiteren Partnern.
Eine Idee besteht darin, Spenden mit symbolischen Bausteinen des künftigen Hospizes zu verbinden - beispielsweise mit einem Stück Garten, einem Platz am gemeinsamen Tisch, Licht für ein Zimmer oder einem Baum für den Innenhof. So soll anschaulich werden, was die Unterstützung vieler Einzelner gemeinsam ermöglichen kann.

Rostock hat bereits eine starke Tradition der Unterstützung

Die fast 30-jährige Geschichte des Hospizes ist zugleich ein eindrucksvoller Beleg für die große Solidarität in der Region. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Vereine haben die Einrichtung über Jahrzehnte hinweg mit Spenden, ehrenamtlichem Engagement und besonderen Aktionen unterstützt. Allein in den ersten 25 Jahren kamen weit mehr als eine Million Euro an Spenden zusammen. Mit diesen Mitteln konnten unter anderem die Ausstattung verbessert, der Garten gestaltet und besondere Wünsche der Gäste erfüllt werden.

Wie vielfältig die Unterstützung sein kann, zeigte 2025 auch der F.C. Hansa Rostock. Während der Sommervorbereitung trugen die Profis das Logo des Hospizes auf ihren Trikotärmeln. Anschließend wurden die getragenen Spielertrikots zugunsten der Einrichtung versteigert. Auch der traditionelle Hospizlauf im Barnstorfer Wald steht seit vielen Jahren für das große Engagement der Rostockerinnen und Rostocker.
An diese Verbundenheit soll die neue Kampagne anknüpfen. Das Ziel ist, nicht erst zur Fertigstellung ein neues Gebäude zu präsentieren, sondern möglichst viele Menschen schon auf dem Weg dorthin einzubeziehen.