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Maritimer Talk zur Hafenentwicklung: Perspektiven für den Zukunftshafen Rostock

Meldung vom 21.05.2026 - Wirtschaft und Verkehr

Rund 130 Interessierte folgten am 27. April 2026 im Rostocker Rathaus der Einladung der Initiative Zukunftshafen Rostock zum Maritimen Talk „Volle Kraft für die Region – Chancen und Perspektiven der Hafenentwicklung“. Im Fokus der öffentlichen Abendveranstaltung stand die Frage, welche Rolle der Rostocker Hafen künftig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region spielen kann – insbesondere vor dem Hintergrund von Energiewende, industrieller Transformation und regionaler Wertschöpfung.

Auftakt war ein Impulsvortrag von Jochen Schulte, Staatssekretär für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit sowie Koordinator der Landesregierung für die maritime Wirtschaft. Er ordnete den Rostocker Hafen als strategischen Standort der industriellen Transformation ein und betonte vor allem die Bedeutung verlässlicher und schneller Genehmigungsverfahren, um Investitionen langfristig zu sichern.

Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierte Moderatorin Renate Heusch-Lahl mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft über Entwicklungsperspektiven, Zielkonflikte und notwendige nächste Schritte. Neben Staatssekretär Jochen Schulte waren auf dem Podium Dr. Gernot Tesch, Geschäftsführer der Rostock Port GmbH, Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock, sowie Susanne Schumacher vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, vertreten.

Aus Sicht der Hafenwirtschaft wurde deutlich, dass die künftige Entwicklung des Überseehafens stärker auf qualitative Effekte ausgerichtet werden muss: Angesichts begrenzter Flächen gilt es, Prioritäten zu setzen und gezielt solche Ansiedlungen zu unterstützen, die eine hohe regionale Wertschöpfung und nachhaltige Arbeitsplätze versprechen. Rostock Port betonte, wie wichtig es ist, jetzt vom Planen ins Handeln zu kommen und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen – auch im Interesse der Menschen, die am und mit dem Hafen arbeiten. Die IHK hob zudem die strategische Bedeutung einer klaren Ostsee- und Hafenstrategie für Mecklenburg-Vorpommern hervor. Die aktuelle Situation eröffnet eine einmalige Chance, den Hafen so weiterzuentwickeln, dass er auch für kommende Generationen ein leistungsfähiger und wettbewerbsfähiger Standort bleibt.

Der BUND wies in der Diskussion auf den drohenden Verlust der letzten ursprünglichen Naturräume hin, die als Treibhausgassenken, Wasserspeicher, Hochwasserschutz und Lebensraum bedrohter Arten dienen. Klimaschutz und Naturschutz dürften nicht gegen wirtschaftliche Interessen ausgespielt werden, da auch diese von einem funktionierenden Naturhaushalt und lebenswerten Klima abhängen. Besonders sensible Bereiche wie der Mündungsbereich der Warnow und die Swienskuhlen müssten daher für das Gemeinwohl erhalten bleiben. Gleichzeitig wurde für ein effizienteres Flächenmanagement plädiert, das zwischen Nutzungen unterscheidet, die zwingend auf eine Kaikante angewiesen sind, und solchen, für die alternative Standorte in Frage kommen.

Ergänzt wurde die Podiumsdiskussion unter anderem durch Beiträge von Christian Weiß (Geschäftsführer von Rostock Business), Michael Fengler (Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Region Rostock) und Dr. Manfred Rißmann (Vorstand der Bürgerinitiative Zukunft für Krummendorf e.V.) sowie durch zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum. Eine zentrale Rolle spielte dabei auch die Neuaufstellung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms (RREP), das wichtige Weichen für die langfristige Entwicklung der Region Rostock stellt. Mit der Ausgestaltung des Flächennutzungsplans liegt die weitere Umsetzung nun bei der Hanse- und Universitätsstadt Rostock, die dabei sowohl wirtschaftliche Anforderungen als auch Belange des Arten- und Naturschutzes gleichermaßen berücksichtigt. Künftig soll ein Hafenbeirat diesen Prozess zum Zukunftshafen Rostock begleiten und den Dialog zwischen den Beteiligten fördern.

Der Abend machte deutlich: Der Rostocker Seehafen ist weit mehr als ein Umschlagplatz. Als Infrastruktur von landesweiter Bedeutung kommt ihm eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns zu. Gerade im Zuge der Energiewende eröffnen sich neue Chancen für Industrie, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig zeigte der Maritime Talk, wie vielfältig und anspruchsvoll die Anforderungen an eine zukunftsfähige Hafenentwicklung sind und wie groß das gemeinsame Interesse ist, diesen Transformationsprozess verantwortungsvoll zu gestalten.