Zum zehnten Mal rückt die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz stark bedrohte Tierarten in den Fokus
Der Kronenkranich gehört zu den eindrucksvollsten Vogelarten Afrikas. Mit seiner goldfarbenen Federkrone, dem anmutigen Balzverhalten und seinem weithin hörbaren Ruf ist er ein echter Botschafter für bedrohte Lebensräume. Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) hat den Kronenkranich heute in Dresden zum „Zootier des Jahres 2026“ ernannt.
Seit mittlerweile zehn Jahren macht die ZGAP gemeinsam mit ihren Partnern auf hochbedrohte Tierarten aufmerksam, die häufig keine starke Lobby haben und fördert gezielt konkrete Schutzprojekte in den Herkunftsregionen. Nach dem Gürteltier als Zootier des Jahres 2025 rückt nun mit dem Kronenkranich erneut eine Art in den Mittelpunkt, deren Schutz eng mit dem Erhalt ganzer Ökosysteme verbunden ist. „Der Zoo Rostock unterstützt die Kampagne ‚Zootier des Jahres‘ aktiv, weil sie genau dort ansetzt, wo moderner Natur- und Artenschutz wirksam wird – bei Aufklärung, internationaler Zusammenarbeit und konkreter Hilfe vor Ort“, betonte Zoodirektorin Antje Angeli.
Ostafrikanische Kronenkraniche im Zoo Rostock
Im Zoo Rostock lebt ein Paar des Ostafrikanischen Kronenkranichs (Balearica regulorum gibbericeps), einer Unterart des Grauhals-Kronenkranichs. Genau diese Form steht im besonderen Fokus der internationalen Schutzprojekte der Kampagne „Zootier des Jahres 2026“. Der 16-jährige Hahn und die 13-jährige Henne sind Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für diese von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „stark gefährdet“ eingestufte Vogelart.
Der Bestand der Kronenkraniche ist in vielen Regionen Afrikas in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgegangen. So nahm die Zahl der Kronenkraniche etwa in Ostafrika in den letzten 40 Jahren um 80 Prozent ab. In Tansania, gut drei Mal so groß wie Deutschland, leben nur noch ca. 2.000 Vögel. Vor allem der Verlust und die Entwässerung von Feuchtgebieten, der zunehmende Einsatz von Agrochemikalien, Kollisionen mit Stromleitungen sowie illegale Bejagung und Handel setzen den Tieren stark zu.
Hoffnung für die Zucht im Zoo
Umso erfreulicher ist eine Entwicklung im Zoo Rostock. Nach mehr als 15 Jahren kam es bei den Kronenkranichen in der vergangenen Saison erstmals wieder zu einer Eiablage. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer rund zweijährigen intensiven Vorbereitung sowie des hohen Engagements der betreuenden Tierpflegerinnen und Tierpfleger. „Dass unser Kronenkranich-Paar nach so langer Zeit wieder Eier gelegt hat, ist für uns ein großer Erfolg und ein wichtiges Signal“, so Antje Angeli. „Es zeigt, wie bedeutsam Fachwissen, Geduld und kontinuierliche Betreuung in der Erhaltungszucht sind. Wir blicken daher optimistisch in die Zukunft und hoffen, dass es in diesem Jahr nicht nur bei der Eiablage bleibt, sondern vielleicht auch eine erfolgreiche Aufzucht gelingt.“
Artenschutz, der vor Ort wirkt
Mit der Kampagne „Zootier des Jahres“ werden nicht nur Informationen vermittelt, sondern gezielt Schutzprojekte in Afrika unterstützt. Die Spendengelder fließen unter anderem in Maßnahmen zum Erhalt und zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten, in Umweltbildungsprogramme, in die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden sowie in die Ausstattung von Schutzteams in Kenia, Tansania und Burundi. Ziel ist es, die Lebensbedingungen für Kronenkraniche langfristig zu verbessern und ihre Populationen zu stabilisieren. Der Zoo Rostock versteht sich dabei als Bindeglied zwischen internationalem Artenschutz und regionaler Bildungsarbeit. „Die Möglichkeit für unsere Zoobesucherinnen und Zoobesucher, diese Art bei uns zu erleben, schafft Nähe und Verständnis. Dies ist eine wichtige Grundlage für nachhaltigen Natur- und Artenschutz“, so Antje Angeli.
Glücksbote in Gefahr: Das „Zootier des Jahres“ 2026
Kronenkraniche erreichen eine imposante Flügelspannweite von zwei Metern. Sie leben südlich der Sahara in Afrika. Als Glücksboten und Wächter über die Gesundheit der Menschen und des Viehs werden sie in vielen Kulturen der Sahelzone verehrt. In Uganda ziert der Kronenkranich als Wappentier sogar die Nationalflagge und gilt als Symbol für Fortschritt und Frieden, in Ruanda und Burundi steht er für Glück und Reichtum. Als besonders talentierte Heuschreckenjäger helfen Kronenkraniche, die Entstehung riesiger Wanderheuschreckenschwärme, die ganze Ernten vernichten können, einzudämmen. Vogelbeobachter aus aller Welt reisen nach Afrika, um diesen imposanten Vogel in seinem natürlichen Lebensraum zu erleben. Nicht zuletzt trägt der Kronenkranich dadurch zum Einkommen vieler afrikanischer Familien bei.
Quelle: ZGAP
Weitere Informationen zur Kampagne „Zootier des Jahres 2026“ finden Interessierte unter www.zgap.de.