Schüler der Krusensternschule gestalten eigene Siegmann-Ausstellung
Statt der üblichen Geschichtsstunden haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a der Krusensternschule selbst auf Spurensuche begeben, um mehr über jüdische Familien zu erfahren, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Rostock lebten - und hierbei konkret über die Familie des ersten Rostocker Straßenbahndirektors Richard Siegmann. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Richard-Siegmann-Stiftung, dem Max-Samuel-Haus, der Universität Rostock und der Rostocker Straßenbahn AG hat sich die Schulklasse intensiv mit dem Leben und Wirken von Richard Siegmann und seiner Familie beschäftigt.
Möglich gemacht werden konnte dies durch einen umfangreichen Nachlass, der dem Max-Samuel-Haus vor circa zwei Jahren zur Verfügung gestellt wurde. In dem Nachlass finden sich verschiedene, bislang unbekannte Dokumente über das Leben der Familie Siegmann.
Wer war Richard Siegmann?
Richard Siegmann war ein Visionär, der fast 40 Jahre lang die Geschicke der Rostocker Straßenbahn leitete und in der Stadt und weit über die Grenzen hinaus für sein Wirken geachtet wurde. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er aller seiner Ämter enthoben und nach Theresienstadt deportiert, wo er im Oktober 1943 verhungerte, ebenso wie seine Ehefrau und eines seiner drei Kinder. Die anderen beiden Kinder konnten Ende der 1930er Jahre aus Deutschland fliehen und bauten sich mühevoll ein neues Leben auf, in Shanghai und in den USA.
Seine Lebensgeschichte - umrahmt von Gedanken und fiktiven Interviews als kleine Ausstellung
Wie ist es ihm, den Kindern und seiner Familie ergangen und was denken jüngere Generationen über diese dunkle Zeit deutscher Geschichte? Aus den Ergebnissen ihrer Recherche zu den verschiedenen Familienmitgliedern haben die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin und Studierenden der Uni Rostock eine kleine Ausstellung über die Familie des ehemaligen Straßenbahndirektors Richard Siegmann zusammengestellt. Sie betonen, dass es ihnen wichtig ist, dieses Andenken zu bewahren und über verschiedene Generationen weiterzugeben.
"Ich fand es gut, dass wir über die Familie Siegmann gesprochen haben, weil es wichtig ist, auch aus der damaligen Zeit etwas zu wissen und zu wissen, wie sich die Juden damals fühlten", so eine Schülerin der siebten Klasse nach Abschluss der Projektarbeit.
Schüler-Ausstellung ist bis Ostern in der Petrikirche zu sehen
Nach einer ersten Vorstellung in der nach ihm benannten Siegmann-Straßenbahn ist die gesamte kleine Ausstellung "Rostocker Stolpersteine" ab dem 28. Januar 2026 in der Rostocker Petrikirche zu sehen. Eine zweite siebte Klasse der Krusensternschule hat sich mit der jüdischen Familie Levy beschäftigt, eine neunte Klasse der Nordlichtschule mit der jüdischen Familie Josephy: Auch diese kleinen Ausstellungen werden dort bis Ostern gezeigt.
Die Ausstellung der Schüler ist ein Auftakt, um den umfangreichen Nachlass der Familie Richard Siegmann für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Das Max-Samuel-Haus wird am 18. Juni 2026 eine noch umfangreichere Ausstellung eröffnen.
Weitere Informationen zur Person Richard Siegmann und zu den geplanten Aktivitäten in diesem Jahr unter: www.siegmann-stiftung.de und auf Instagram @siegmannstiftung.