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Na­vi­ga­ti­on

Neu­er 3D-Bi­op­sie­tisch er­leich­tert Früh­erken­nung von Brust­krebs

Mel­dung vom 15.01.2021 - Um­welt und Ge­sell­schaft

Kli­ni­kum Süd­stadt in­ves­tiert 264.000 Eu­ro in mo­der­nes To­mo­syn­the­se-Sys­tem

Als ers­tes Kran­ken­haus in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­fügt das Kli­ni­kum Süd­stadt über ei­nen 3D-Bi­op­sie­tisch zur bes­se­ren Früh­erken­nung von Brust­krebs. Die mo­der­ne Dia­gnos­tik­ein­heit kommt un­ter an­de­rem zum Ein­satz, wenn Pa­ti­en­tin­nen nach dem Mam­mo­gra­fie-Scree­ning zur Ab­klä­rung von auf­fäl­li­gen Be­fun­den in das Brust­zen­trum der Süd­stadt­kli­nik über­wie­sen wer­den.

Mit dem neu­ar­ti­gen Ver­fah­ren kön­nen auch kleins­te Ver­än­de­run­gen in der Brust sicht­bar ge­macht und ziel­si­cher Ge­we­be­pro­ben ent­nom­men wer­den. Das Kli­ni­kum Süd­stadt hat in das neue To­mo­syn­the­se-ge­steu­er­te Va­ku­um­bi­op­sie­sys­tem 264.000 Eu­ro in­ves­tiert. Die To­mo­syn­the­se (3D-Schicht­bild­ge­bung) ist ei­ne in­no­va­ti­ve Tech­no­lo­gie, mit der Ver­än­de­run­gen der Brust­drü­se oh­ne stö­ren­des über­lap­pen­des Ge­we­be zu er­ken­nen sind. So ist ei­ne bes­se­re Brust­krebs­früh­erken­nung mög­lich. In Deutsch­land er­kran­ken je­des Jahr 70.000 Frau­en neu an Brust­krebs. Da­mit ist Brust­krebs die häu­figs­te Krebs­art bei Frau­en.

„Der 3D-Bi­op­sie­tisch Ho­lo­gic Af­firm Pro­ne er­mög­licht prä­zi­se Pro­ben­ent­nah­men in Bauch­la­ge und ei­nen 360°-Zu­gang zur Brust", in­for­mier­te PD Dr. An­grit Stachs, Ober­ärz­tin an der Uni­ver­si­täts­frau­en­kli­nik und Lei­te­rin des in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Zen­trums für Brust­dia­gnos­tik am Kli­ni­kum Süd­stadt Ros­tock. „Für die be­trof­fe­nen Frau­en ist das Ver­fah­ren, wel­ches in der Ab­tei­lung für Dia­gnos­ti­sche und In­ter­ven­tio­nel­le Ra­dio­lo­gie durch­ge­führt wird, viel scho­nen­der und an­ge­neh­mer als die al­ter­na­tiv üb­li­che auf­rech­te Po­si­ti­on oder Sei­ten­la­ge bei der Ge­we­be­ent­nah­me."

Schicht für Schicht durch die Brust

Am in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Brust­zen­trum des Kli­ni­kum Süd­stadt ar­bei­ten im In­ter­es­se der er­krank­ten Frau­en ver­schie­de­ne me­di­zi­ni­sche Fach­dis­zi­pli­nen un­ter ei­nem Dach eng zu­sam­men. Am An­fang steht ei­ne um­fas­sen­de Dia­gnos­tik, um das Aus­maß der Er­kran­kung zu er­ken­nen und die The­ra­pie in­di­vi­du­ell ab­zu­stim­men. Wird durch das Rönt­gen­bild der Brust, die so­ge­nann­te Mam­mo­gra­fie, der Ver­dacht auf Brust­krebs ge­äu­ßert, ist ei­ne fein­ge­web­li­che Un­ter­su­chung not­wen­dig. Da­zu wer­den durch mi­ni­ma­l­in­va­si­ve Bi­op­si­en Ge­we­be­pro­ben ent­nom­men. Bei mam­mo­gra­fisch ver­däch­ti­gem Mi­kro­kalk er­folgt die­se als rönt­gen­ge­stütz­te Va­ku­um­bi­op­sie, bei der mit­tels lan­ger Hohl­na­deln mi­ni­ma­le Ge­we­be­pro­ben aus der Brust ent­nom­men und an­schlie­ßend auf Krebs­zel­len un­ter­sucht wer­den.

Mit dem neu­en Af­firm Pro­ne Bi­op­sie Sys­tem für Brust­bi­op­si­en in Kom­bi­na­ti­on mit Va­ku­um­bi­op­sie­ge­rät mit in­te­grier­tem Echt­zeit-Pro­ben­rönt­gen­sys­tem Bre­ve­ra der Fir­ma Ho­lo­gic kann die Ent­nah­me der Ge­we­be­pro­ben we­sent­lich ef­fek­ti­ver er­fol­gen. Das liegt vor al­lem an der durch To­mo­syn­the­se er­zeug­ten hoch­auf­lö­sen­den 3D-Dar­stel­lung der Brust in sehr dün­nen Schich­ten. „Das neu­ar­ti­ge Ver­fah­ren er­mög­licht so die über­la­ge­rungs­freie Dar­stel­lung des Mi­kro­kal­kes und ist dar­über hin­aus viel ge­nau­er als die bis­her üb­li­che ste­reotak­ti­sche Bi­op­sie. Auch win­zigs­te Ver­än­de­run­gen sind jetzt sicht­bar", so die Brust­krebs­ex­per­tin. „Die­se Mi­kro­kalk­ab­la­ge­run­gen kön­nen ab­so­lut harm­los sein, aber auch ein Früh­sta­di­um von Brust­krebs be­deu­ten."

Ei­nen ho­hen Pa­ti­en­ten­kom­fort stellt auch die Kom­bi­na­ti­on mit dem Va­ku­um­bi­op­sie­ge­rät Bre­ve­ra dar, wel­ches ein Echt­zeitrönt­gen der ent­nom­me­nen Pro­ben er­mög­licht. Da­mit be­steht ei­ne un­mit­tel­ba­re Kon­trol­le über den Bi­op­sie­er­folg. Die Ge­we­be­pro­ben kön­nen so mit ho­her Prä­zi­si­on ent­nom­men und auf ein Mi­ni­mum be­schränkt wer­den. Das ver­kürzt die Un­ter­su­chungs­zeit und re­du­ziert Kom­pli­ka­tio­nen, bei­spiels­wei­se durch Blu­tun­gen. Ein wei­te­rer po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt - die Strah­len­do­sis fällt weit­aus ge­rin­ger aus als bei ei­ner her­kömm­li­chen Bi­op­sie. Die Do­sis­pa­ra­me­ter der Rönt­gen­strah­lung wer­den zu­dem di­gi­tal er­fasst und do­ku­men­tiert.

Das Sys­tem soll vor al­lem bei ver­däch­ti­gen Mi­kro­kalk­ab­la­ge­run­gen oder bei mit­tels Ul­tra­schall nicht er­kenn­ba­ren Kno­ten ein­ge­setzt wer­den. „Wir rech­nen künf­tig wö­chent­lich mit bis zu sechs Pa­ti­en­tin­nen, de­ren Be­fun­de mit der neu­en Me­tho­de zu­ver­läs­sig ab­ge­klärt wer­den kön­nen", schätzt Dr. An­grit Stachs. „Die Un­ter­su­chung dau­ert mit Vor­ge­spräch und Nach­be­rei­tung et­wa 30 Mi­nu­ten, die ei­gent­li­che Bi­op­sie­zeit et­wa 15 Mi­nu­ten. Da­mit sind wir auch deut­lich schnel­ler als mit dem Vor­gän­ger­mo­dell."

Gu­te Hei­lungs­chan­cen bei re­gel­mä­ßi­ger Vor­sor­ge

Am Kli­ni­kum Süd­stadt wer­den jähr­lich rund 450 Frau­en mit neu dia­gnos­ti­zier­tem Brust­krebs be­han­delt, die Hälf­te da­von im Rah­men des frei­wil­li­gen Mam­mo­gra­fie-Scree­ning-Pro­gramms. Das am­bu­lan­te Früh­erken­nungs­pro­gramm für Frau­en zwi­schen 50 und 69 Jah­ren wird in Meck­len­burg-Vor­pom­mern von nie­der­ge­las­se­nen Ra­dio­lo­gen und er­mäch­tig­ten Kran­ken­haus­ärz­ten or­ga­ni­siert. Die Ärz­tin ap­pel­lier­te an al­le Frau­en, das Brust­krebs­früh­erken­nungs­pro­gramm un­be­dingt wahr­zu­neh­men. „Je frü­her wir Brust­krebs und des­sen Vor­stu­fen ent­de­cken, um so scho­nen­der sind die The­ra­pie­mög­lich­kei­ten und die Hei­lungs­chan­cen wer­den ver­bes­sert. Bei Früh­sta­di­en lie­gen die­se mitt­ler­wei­le bei über 90 Pro­zent."

Der Ein­zugs­be­reich des Brust­zen­trums am Süd­stadt­kli­ni­kum reicht von Wis­mar über Schwe­rin, Par­chim, Mal­chow, Stral­sund bis nach Dem­min. Bis zu 800 Brust­ope­ra­tio­nen, 550 da­von in Zu­sam­men­hang mit Brust­krebs, wer­den in dem spe­zia­li­sier­ten on­ko­lo­gi­schen Zen­trum in Ros­tock je­des Jahr vor­ge­nom­men. Zum Leis­tungs­spek­trum ge­hö­ren zu­dem jähr­lich rund 4.500 Mam­mo­gra­fi­en, 180 rönt­gen­ge­steu­er­te Va­ku­um­bi­op­si­en und 700 Stanz­bi­op­si­en un­ter Ul­tra­schall­kontrol­le.