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Na­vi­ga­ti­on

Be­son­de­re Wohn­for­men und Leis­tun­gen der Pfle­ge

Zum 1. Ja­nu­ar 2020 tra­ten wich­ti­ge Ge­set­zes­än­de­run­gen in Kraft, die mit der Um­set­zung des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes (BTHG) ge­re­gelt wer­den. Die bis­he­ri­ge Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Men­schen mit Be­hin­de­rung wur­de in den Teil 2 des Neun­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) über­führt.

Seit dem 1. Ja­nu­ar 2020 er­folgt ei­ne strik­te Tren­nung von den Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe (Fach­leis­tun­gen) zu den exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen (Le­bens­un­ter­halt, Woh­nen). Man nennt das auch „Per­so­nen­zen­trie­rung“.

Für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen, die bis­her in den Ein­rich­tun­gen der Be­hin­der­ten­hil­fe leb­ten, muss­ten des­halb die Mo­da­li­tä­ten und Zu­stän­dig­kei­ten für die Ge­wäh­rung von Leis­tun­gen (Ein­glie­de­rungs­hil­fe, Pfle­ge und Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt) neu ge­re­gelt wer­den.

Der Trä­ger der Ein­glie­de­rungs­hil­fe über­nimmt die Leis­tun­gen der Pfle­ge. Die Pfle­ge­kas­se er­stat­tet wie bis­her die Pfle­ge­leis­tun­gen pau­schal in Hö­he von 266 Eu­ro pro Mo­nat.

Die Richt­li­ni­en des GKV-Spit­zen­ver­ban­des kon­kre­ti­sie­ren u. a., wel­che be­son­de­ren Wohn­for­men da­von um­fasst sind.

Seit dem 1. Ja­nu­ar 2020 gilt das Net­to­prin­zip. Die Men­schen mit Be­hin­de­rung, die in ei­ner be­son­de­ren Wohn­form le­ben, er­hal­ten al­le Ein­künf­te, ih­ren Re­gel­be­darf und die Kos­ten der Un­ter­kunft di­rekt auf ihr Kon­to ge­zahlt.  Da­von ha­ben sie ih­ren Le­bens­un­ter­halt und die „Wohn­kos­ten“ in der be­son­de­ren Wohn­form zu zah­len. Der frü­he­re Bar­be­trag und die Klei­der­pau­scha­le ent­fal­len mit der Sys­tem­um­stel­lung.

u. a.
Nach SGB IX:
§ 108 Ab­satz 1 Satz 1 SGB IX (An­trags­er­for­der­nis für die Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe); Aus­nah­me nach § 108 Abs. 2 SGB IX (Be­darf wur­de im Rah­men ei­nes Ge­samt­plan­ver­fah­rens er­mit­telt).

§ 99 SGB IX in Ver­bin­dung mit § 53 SGB XII und den §§ 1 bis 3 der Ein­glie­de­rungs­hil­fe-Ver­ord­nung; (De­fi­ni­ti­on des leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen­krei­ses in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe),
§§ 109-122 SGB IX (Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe),
§§ 123 bis 134 SGB IX (Neu­re­ge­lun­gen zum Ver­trags­recht für die Ein­glie­de­rungs­hil­fe),
§§ 134 und 142 SGB IX (Son­der­re­ge­lun­gen für min­der­jäh­ri­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te und in Son­der­fäl­len (Voll­jäh­ri­ge) hin­sicht­lich der Ver­ein­ba­run­gen zur Er­brin­gung von Leis­tun­gen und der Auf­brin­gung der Mit­tel für die Kos­ten des Le­bens­un­ter­halts).

Nach SGB XII:
Je nach Per­so­nen­kreis
Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt nach dem 3. Ka­pi­tel des SGB XII,
Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen nach dem 4. Ka­pi­tel des SGB
7. Ka­pi­tel des SGB XII (Hil­fe zur Pfle­ge)

Nach SGB XI:
§ 13 Ab­satz 3 Satz 3 SGB XI (Gleich­rang zwi­schen Leis­tun­gen der Pfle­ge und der Ein­glie­de­rungs­hil­fe)
§ 43a SGB XI (Pau­schalleis­tung für Pfle­ge von Men­schen mit Be­hin­de­rung; Pau­schal­be­trag der Pfle­ge­kas­se),
§ 71 Ab­satz 4 SGB XI und die Richt­li­ni­en des GKV-Spit­zen­ver­ban­des nach § 71 Ab­satz 5 Satz 1 SGB XI (Ab­gren­zungs­re­ge­lun­gen von sta­tio­nä­rer Pfle­ge nach SGB XI zu be­son­de­ren Wohn­for­men)
Ggf. Wohn­geld­ge­setz

Der Um­fang der be­nö­tig­ten Un­ter­la­gen, ins­be­son­de­re Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­nach­wei­se für die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts, rich­tet sich nach den Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­falls. Über die im Ein­zel­fall er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen in­for­miert:

  • für die Leis­tun­gen zum Le­bens­un­ter­halt: der zu­stän­di­ge So­zi­al­hil­fe­trä­ger,
  • für die Ein­glie­de­rungs- und Pfle­ge­leis­tun­gen: der zu­stän­di­ge Trä­ger der Ein­glie­de­rungs­hil­fe

An­trags­er­for­der­nis für die Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe.

Vor­lie­gen ei­ner Not­wen­dig­keit auf Un­ter­stüt­zung für ei­ne be­hin­der­te Per­son nach Prü­fung des kon­kre­ten Ein­zel­falls (Ein­glie­de­rungs­hil­fe),
Pfle­ge­be­dürf­tig­keit,

Vor­lie­gen der Not­wen­dig­keit ei­ner Un­ter­stüt­zung zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach Prü­fung des kon­kre­ten Ein­zel­falls (durch den So­zi­al­hil­fe­trä­ger),

Vor­ran­gi­ge Leis­tun­gen Drit­ter (Ren­te, Ein­kom­men) sind zu prü­fen.

Men­schen mit Be­hin­de­run­gen in be­son­de­ren Wohn­for­men, die aus­schlie­ß­lich Ein­glie­de­rungs­hil­fe be­zie­hen, weil sie ih­ren Be­darf an Le­bens­un­ter­halt durch ei­ge­nes Ein­kom­men de­cken, kön­nen dem Grun­de nach ei­nen An­spruch auf Wohn­geld ha­ben.

Te­le­fo­nisch Be­ra­tungs­ter­min ver­ein­ba­ren.

ein­zel­fall­ab­hän­gig

ein­zel­fall­ab­hän­gig

Min­der­jäh­ri­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te sind wie bis­her von der Not­wen­dig­keit der Leis­tungs­tren­nung aus­ge­nom­men. Das gilt auch für Voll­jäh­ri­ge, die zu ih­rer schu­li­schen oder be­ruf­li­chen Bil­dung in Ein­rich­tun­gen über Tag und Nacht be­treut wer­den. Da­mit sind für die­sen Per­so­nen­kreis zwi­schen Leis­tungs­trä­ger und Leis­tungs­er­brin­ger ne­ben der Er­brin­gung der Fach­leis­tung auch wei­ter­hin die Er­brin­gung der exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen zum Le­bens­un­ter­halt zu re­geln ist.

Die Aus­nah­me­re­ge­lung für Voll­jäh­ri­ge zielt auf Leis­tungs­be­rech­tig­te ab, die aus un­ter­schied­li­chen Grün­den (z.B. ver­län­ger­te Schul­zeit, päd­ago­gi­sche Grün­de) nach Voll­endung des 18. Le­bens­jah­res für ei­ne kur­ze Zeit bei dem Leis­tungs­er­brin­ger ver­blei­ben, von dem sie be­reits als Min­der­jäh­ri­ge Leis­tun­gen be­zo­gen ha­ben. Da­mit sol­len zu­gleich ar­beits- und bü­ro­kra­tie­auf­wän­di­ge par­al­le­le Ver­gü­tungs- und Ab­rech­nungs­struk­tu­ren für Min­der­jäh­ri­ge ei­ner­seits und Voll­jäh­ri­ge an­de­rer­seits bei den be­trof­fe­nen Leis­tungs­er­brin­gern ver­mie­den wer­den.