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Na­vi­ga­ti­on

Hil­fe bei der Pro­zess­füh­rung (Pro­zess­kos­ten­hil­fe) be­an­tra­gen

Wer Hil­fe bei der Pro­zess­füh­rung be­nö­tigt, kann sich zu­nächst an ei­ne Rechts­an­trag­stel­le wen­den. Die Rechts­an­trag­stel­len sind bei den Amts­ge­rich­ten ein­ge­rich­tet. Bei klei­ne­ren Ge­rich­ten, bei de­nen kei­ne Rechts­an­trag­stel­len ein­ge­rich­tet sind, neh­men die Ge­schäfts­stel­len die Auf­ga­ben der Rechts­an­trag­stel­le wahr.

Die Rechts­pfle­ger der Rechts­an­trag­stel­le be­zie­hungs­wei­se der Ge­schäfts­stel­le hel­fen kos­ten­los bei der For­mu­lie­rung von An­trä­gen oder Er­klä­run­gen, die zur Vor­la­ge beim zu­stän­di­gen Ge­richt be­stimmt sind (bei­spiels­wei­se bei Kla­gen, Stel­lung­nah­men, Voll­stre­ckungs­schutz­maß­nah­men oder Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trä­gen). Der Rechts­pfle­ger der Rechts­an­trag­stel­le be­rät so­weit wie mög­lich selbst oder ver­weist an die je­weils zu­stän­di­ge Stel­le. Au­ßer­dem weist er auf die Mög­lich­keit hin, Be­ra­tungs­hil­fe oder Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu er­hal­ten.

Für ge­richt­li­che Ver­fah­ren kann Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­an­tragt wer­den. Für au­ßer­ge­richt­li­che An­ge­le­gen­hei­ten kann Be­ra­tungs­hil­fe be­an­tragt wer­den.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe kann er­hal­ten, wer die Kos­ten ei­ner Pro­zess­füh­rung auf­grund sei­ner per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nicht, nur zum Teil oder nur in Ra­ten auf­brin­gen kann. Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist, dass die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Er­folg bie­tet und nicht mut­wil­lig er­scheint.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe er­hält, wem von sei­nem Ein­kom­men nach Ab­zug von Steu­ern, Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen, Wer­bungs­kos­ten, an­ge­mes­se­nen Wohn- und Heiz­kos­ten und Frei­be­trä­gen nicht mehr als 20 Eu­ro mo­nat­lich ver­blei­ben.

Der­zei­ti­ge mo­nat­li­che Frei­be­trä­ge:

für Par­tei­en und ih­ren Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ner: 462 Eu­ro

für je­de wei­te­re Per­son, der auf­grund ge­setz­li­cher Un­ter­halts­pflicht Un­ter­halt ge­leis­tet wird, er­höht sich der Be­trag um wei­te­re

  • 268 Eu­ro (Kin­der bis zur Voll­endung des sechs­ten Le­bens­jah­res)
  • 306 Eu­ro (Kin­der vom Be­ginn des sieb­ten bis zur Voll­endung des 14. Le­bens­jah­res)
  • 349 Eu­ro (Ju­gend­li­che vom Be­ginn des 15. bis zur Voll­endung des 18. Le­bens­jah­res)
  • 370 Eu­ro (Er­wach­se­ne)

für er­werbs­tä­ti­ge Per­so­nen: zu­sätz­lich 210 Eu­ro

Hin­weis: Ei­ne ge­naue Be­rech­nung ist nur im kon­kre­ten Ein­zel­fall mög­lich. Über­steigt das ein­zu­set­zen­de Ein­kom­men 20 Eu­ro, ord­net das Ge­richt ei­ne mo­nat­li­che Ra­ten­zah­lung an oder lehnt die Ge­wäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ab. Ne­ben dem Ein­kom­men ist das ei­ge­ne Ver­mö­gen zur De­ckung der Pro­zess­kos­ten ein­zu­set­zen, so­weit dies zu­mut­bar ist.

Die Pro­zess­kos­ten­hil­fe deckt die Ge­richts­kos­ten. Die Kos­ten des ei­ge­nen Rechts­an­wal­tes deckt sie nur, wenn das Ge­richt ei­nen Rechts­an­walt bei­ge­ord­net hat. Die­se Bei­ord­nung muss al­ler­dings be­son­ders be­an­tragt wer­den (Bei­ord­nungs­an­trag). Fra­gen hier­zu be­ant­wor­tet Ih­nen der Rechts­pfle­ger der Rechts­an­trag­stel­le.

Nicht von der Pro­zess­kos­ten­hil­fe um­fasst sind die Kos­ten des Geg­ners (z.B. des­sen Rechts­an­walts­kos­ten). Soll­ten Sie den Rechts­streit ver­lie­ren, müs­sen Sie da­her dem Geg­ner des­sen Kos­ten er­stat­ten, auch wenn Ih­nen Pro­zess­kos­ten­hil­fe ge­währt wor­den war. Ei­ne Aus­nah­me gilt le­dig­lich in ar­beits­ge­richt­li­chen Strei­tig­kei­ten.

  • Rei­se­pass oder Per­so­nal­aus­weis
  • Ein­kom­mens­nach­weis oder Steu­er­be­scheid
  • Miet­ver­trag (an­ge­mes­se­ne Miet­kos­ten wer­den be­rück­sich­tigt)
  • Sons­ti­ge Be­le­ge über Aus­ga­ben, Ein­kom­men und Ver­mö­gens­wer­te
  • Der Recht­su­chen­de kann die er­for­der­li­chen Mit­tel nach sei­nen per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht auf­brin­gen.
  • Die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hat Aus­sicht auf Er­folg.
  • Die Wahr­neh­mung der Rech­te ist nicht mut­wil­lig.

Hin­weis: Pro­zess­kos­ten­hil­fe wird nicht ge­währt, wenn ei­ner der Ehe­leu­te oder bei ei­nem un­ver­hei­ra­te­ten Kind die El­tern oder ein El­tern­teil auf­grund ge­setz­li­cher Un­ter­halts­pflich­ten für die Kos­ten auf­kom­men muss.

Sie müs­sen ei­nen form­lo­sen "An­trag auf Ge­wäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe" stel­len. In dem An­trag muss das Streit­ver­hält­nis aus­führ­lich und voll­stän­dig dar­ge­stellt wer­den. Au­ßer­dem müs­sen Sie die even­tu­ell vor­han­de­nen Be­weis­mit­tel an­ge­ge­ben. Dem An­trag muss ei­ne Er­klä­rung über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se auf dem vor­ge­schrie­be­nen For­mu­lar bei­ge­fügt wer­den. Der An­trag kann schrift­lich oder per­sön­lich bei der zu­stän­di­gen Stel­le ge­stellt wer­den.

Wenn Sie beim Aus­fül­len Schwie­rig­kei­ten ha­ben, kön­nen Sie sich an das Ge­richt oder ei­nen Rechts­an­walt wen­den. Der An­trag kann auch di­rekt durch ei­nen Rechts­an­walt ein­ge­reicht wer­den.

Be­an­tra­gung:

  • spä­tes­tens vor En­de des Ver­fah­rens
  • in Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren: vor Be­ginn der Zwangs­voll­stre­ckung

Be­an­tra­gen Sie Pro­zess­kos­ten­hil­fe für ei­ne Be­ru­fung oder Be­schwer­de nach ei­nem ver­lo­re­nen Pro­zess, be­ach­ten Sie die für das Ein­le­gen des Rechts­mit­tels gel­ten­de Frist. Die Frist ent­neh­men Sie dem Ur­teil oder dem Be­schluss.