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Na­vi­ga­ti­on

Ver­ein­fach­tes Ver­fah­ren ist wei­te­re Chan­ce

Pres­se­mit­tei­lung vom 11.06.1999


Rest­schuld­be­frei­ung auch oh­ne Zu­stim­mung der Gläu­bi­ger/ Ge­richt prüft Ver­sa­gens­grün­de

Das ver­ein­fach­te In­sol­venz­ver­fah­ren kann vor Ge­richt ab­ge­wi­ckelt wer­den, wenn we­der die au­ßer­ge­richt­li­che noch die ge­richt­li­che Schul­den­be­rei­ni­gung zum Er­folg führ­te. Ha­ben Sie bis zu die­sem Zeit­punkt al­le An­ga­ben ge­wis­sen­haft zu­sam­men­ge­stellt, kön­nen Sie nun auch oh­ne die Zu­stim­mung der Gläu­bi­ger ei­ne Rest­schuld­be­frei­ung er­lan­gen.

Das ver­ein­fach­te In­sol­venz­ver­fah­ren ist ein wei­te­rer Schritt auf die­sem Weg. Das Ge­richt kann z. B. bei über­schau­ba­ren Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen und nur we­ni­gen Gläu­bi­gern das ge­sam­te Ver­fah­ren oder ein­zel­ne Tei­le schrift­lich durch­füh­ren. Das ist al­ler­dings nur mög­lich, wenn der Schuld­ner auch die not­wen­di­gen Kos­ten auf­brin­gen kann, zu de­nen un­ter an­de­rem Ver­fah­rens­kos­ten und Treu­hän­der­ver­gü­tung ge­hö­ren. Da­bei set­zen sich die Ver­fah­rens­kos­ten aus den Ge­richts­kos­ten, den Zu­stel­lungs­kos­ten der Un­ter­la­gen an die Gläu­bi­ger und den­Ver­öf­fent­li­chungs­kos­ten zu­sam­men. Letz­te­re er­ge­ben sich aus der In­sol­venz­ord­nung, nach der ein Er­öff­nungs­be­schluß so­fort in der füh­ren­den Ta­ges­zei­tung am Ort und im Bun­des­an­zei­ger öf­fent­lich be­kannt­zu­ma­chen ist. Mit Na­men und ge­nau­er An­schrift des Schuld­ners wird hier dar­auf hin­ge­wie­sen, daß ein In­sol­venz­ver­fah­ren er­öff­net wird.

Las­sen Sie sich durch die Ver­öf­fent­li­chung ih­res Na­mens und ih­rer Adres­se nicht ab­hal­ten. Schlie­ß­lich ken­nen ih­re Freun­de und Be­kann­ten längst ih­re Si­tua­ti­on. Sie soll­ten sich je­doch früh­zei­tig auf Fra­gen ein­stel­len und vor al­lem in Ih­ren Fa­mi­li­en über das Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren spre­chen. Für die Gläu­bi­ger be­steht durch die Ver­öf­fent­li­chung noch die Mög­lich­keit "ver­ges­se­ne" For­de­run­gen an­zu­mel­den und da­mit am Ver­fah­ren be­tei­ligt zu wer­den.

Ob und in­wie­fern in die­ser Si­tua­ti­on für "ar­me" Schuld­ner Pro­ze­ß­kos­ten­hil­fe (PKH) ge­währt wer­den kann, ist ge­gen­wär­tig noch un­klar. Soll­te das nicht der Fall sein, blie­be die­sen Per­so­nen ein ver­ein­fach­tes In­sol­venz­ver­fah­ren ver­wehrt.

Der "red­li­che" Schuld­ner

Das Ge­richt prüft, ob für den Schuld­ner ein In­sol­venz­ver­fah­ren in Fra­ge kommt. Bei dem Schuld­ner muß es sich um ei­ne Pri­vat­per­son bzw. ei­nen Klein­ge­wer­be­trei­ben­den han­deln, der be­rech­tigt ist, das Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren in An­spruch zu neh­men. Ne­ben die­sen grund­sätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen wird vor al­lem ge­klärt, ob Ver­sa­gens­grün­de für ei­ne Rest­schuld­be­frei­ung vor­lie­gen. Sol­che Grün­de lie­gen vor, wenn der Schuld­ner z. B. für Kon­kurs­be­trug oder Gläu­bi­ger­be­güns­ti­gung rechts­kräf­tig ver­ur­teilt ist, wenn er sei­ne wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig falsch oder un­voll­stän­dig dar­stell­te. Ein Ver­fah­ren kann auch ver­sagt wer­den bei un­an­ge­mes­se­nen Ver­bind­lich­kei­ten oder Ver­schwen­dung des Ver­mö­gens, bei fal­schen An­ga­ben im Ver­fah­ren so­wie bei der Ver­let­zung der Aus­kunfts- oder Mit­wir­kungs­pflicht. Zum an­de­ren darf in den letz­ten zehn Jah­ren we­der ei­ne Rest­schuld­be­frei­ung er­langt noch ver­sagt wor­den sein. Sie soll­ten des­halb schon vor ei­nem Ver­fah­ren ent­schei­den, ob ei­ner der Ver­sa­gens­grün­de für Sie in Be­tracht kommt. Dann wä­re ein In­sol­venz­ver­fah­ren zur Rest­schuld­be­frei­ung we­nig sinn­voll.

In­sol­venz­ta­bel­le

Die Gläu­bi­ger müs­sen Ih­re For­de­run­gen ge­gen den Schuld­ner beim Treu­hän­der an­mel­den. Die For­de­run­gen und ih­re Hö­he wer­den in ei­ner In­sol­venz­ta­bel­le zu­sam­men­ge­stellt, für die qua­si ei­ne Rest­schuld­be­frei­ung ge­währt wer­den soll. Gibt es ein­zel­ne strit­ti­ge For­de­run­gen, müs­sen die­se in ei­nem ge­son­der­ten ge­richt­li­chen Pro­zeß ge­klärt wer­den. Die For­de­run­gen in der In­sol­venz­ta­bel­le gel­ten als rechts­kräf­tig, wenn kei­ne wei­te­ren Ein­wän­de er­ho­ben wer­den und kön­nen beim Schei­tern des Ver­fah­rens so­fort voll­streckt wer­den. Im ver­ein­fach­ten In­sol­venz­ver­fah­ren wird ein Treu­hän­der ein­ge­setzt, der wäh­rend der Wohl­ver­hal­tens­pe­ri­ode die vor­han­de­ne Mas­se und das pfänd­ba­re Ein­kom­men ent­spre­chend der Fest­le­gun­gen in der In­sol­venz­ta­bel­le an die Gläu­bi­ger und nach vier Jah­ren auch den Bo­nus an den Schuld­ner ver­teilt. Das Ge­richt kann auch an­ord­nen, daß von ei­ner Ver­wer­tung des Ver­mö­gens ganz oder teil­wei­se ab­ge­se­hen wird. In sol­chen Fäl­len wird der Schuld­ner be­auf­tragt, ei­nen dem Wert des Ver­mö­gens ent­spre­chen­den Geld­be­trag auf­zu­brin­gen. Das wird aber für vie­le Schuld­ner un­mög­lich sein. Sind je­doch al­le er­for­der­li­chen Re­ge­lun­gen ge­trof­fen und kei­ne Ver­sa­gens­grün­de be­kannt, stellt das Ge­richt die Rest­schuld­be­frei­ung in Aus­sicht.

Al­ler­dings muß der Schuld­ner nun ei­ne sie­ben- bzw. fünf­jäh­ri­ge Wohl­ver­hal­tens­pha­se mit ei­ni­gen Pflich­ten er­folg­reich ab­sol­vie­ren.