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Na­vi­ga­ti­on

Be­richt des OB auf der 66. Sit­zung der Bür­ger­schaft

Pres­se­mit­tei­lung vom 27.01.1999

27. Ja­nu­ar 1999Be­richt des OB auf der 66. Sit­zung der Bür­ger­schaft
Es gilt das ge­spro­che­ne Wort Sehr ge­ehr­ter Herr Prä­si­dent,
sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren Ab­ge­ord­ne­ten,
sehr ge­ehr­te Gäs­te, ein gu­tes neu­es Jahr wün­sche ich Ih­nen al­len, mei­ne Da­men und Her­ren. Wir fei­ern in die­sem Jahr das Sil­ves­ter des Jahr­hun­derts. Ei­gent­lich ist die Jahr­tau­send­wen­de ja erst im Jahr 2000. Aber wir se­hen das nicht so eng und wol­len be­reits am kom­men­den Sil­ves­ter ein rau­schen­des Fest auf der Ost­see mit viel in­ter­na­tio­na­ler Be­tei­li­gung be­ge­hen. Ich ha­be den Kur­be­trieb be­auf­tragt, für Ein­hei­mi­sche und Gäs­te un­ver­ge­ß­li­che Stun­den zu or­ga­ni­sie­ren. An­sons­ten soll­ten wir uns nicht von dem be­vor­ste­hen­den neu­en Jahr­tau­send be­ein­dru­cken las­sen. Ein Sprich­wort sagt: Nur wer an die Zu­kunft glaubt, glaubt an die Ge­gen­wart. Bli­cke ich in die Ge­gen­wart, so ent­de­cke ich ei­ni­ges, wor­über ich Sie in­for­mie­ren möch­te. Zum ei­nen ei­ne recht un­er­freu­li­che An­ge­le­gen­heit, die wir noch im Lau­fe der heu­ti­gen Sit­zung zu be­spre­chen ha­ben. Sie ha­ben si­cher den Me­di­en ent­nom­men, daß die Staats­an­walt­schaft An­kla­ge ge­gen den Ros­to­cker So­zi­al­amts­lei­ter er­ho­ben hat. Zu die­sem lau­fen­den Ver­fah­ren steht uns kei­ne Stel­lung­nah­me zu. Die Vor­wür­fe von Staats­an­walt­schaft, Lan­des­rech­nungs­hof und Rech­nungs­prü­fungs­aus­schuß wer­den der­zeit ge­prüft. Ich möch­te aber hier und heu­te noch ein­mal un­ter­strei­chen, daß die­se Vor­wür­fe in kei­nem Fall ei­ne Ver­un­glimp­fung der Ar­beit der So­zi­al­amts­mit­ar­bei­ter recht­fer­ti­gen. Das ha­be ich be­reits in der ver­gan­ge­nen Wo­che vor der Be­leg­schaft des Am­tes be­tont. Die rund 200 über­aus en­ga­gier­ten Mit­ar­bei­ter leis­ten ei­ne gu­te Ar­beit und ha­ben kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten öf­fent­li­chen An­grif­fe ver­dient. Die Mo­der­ni­sie­rung des Haupt­bahn­ho­fes hat be­gon­nen. Da­mit wird ein wich­ti­ger Ver­kehrs­kno­ten­punkt un­se­rer Stadt at­trak­ti­ver und mit der Stra­ßen­bahn­un­ter­füh­rung wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für die Stra­ßen­bah­n­er­wei­te­rung ge­schaf­fen. Nach der Fer­tig­stel­lung im Jah­re 2003 kön­nen die Be­woh­ner der Süd­stadt di­rekt nach Dier­kow oder nach Evers­ha­gen fah­ren. Stadt­tei­le rü­cken al­so nä­her zu­sam­men! Das Plan­fe­stel­lungs­ver­fah­ren für die War­now­que­rung läuft auf Hoch­tou­ren. Der Er­ör­te­rungs­ter­min für das An­hö­rungs­ver­fah­ren fand Mit­te De­zem­ber statt. Nach in­ten­si­ven Ge­sprä­chen un­se­rer Mit­ar­bei­ter und der Fir­ma Bouy­gues sind wir auf dem bes­ten We­ge, die fi­nan­zi­el­len Lü­cken zu schlie­ßen. Auch fü die Fra­ge der Schlick­ver­brin­gung zeich­nen sich Lö­sun­gen ab. Ich bin da­her sehr zu­ver­sicht­lich, daß im Herbst mit dem Bau be­gon­nen wird. Der För­der­an­trag für die Mes­se wird nach den bis­he­ri­gen Plä­nen bis Mit­te Fe­buar an das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ge­stellt. Ich ge­he da­von aus, daß sich das Land wei­ter­hin für die Er­rich­tung des Lan­des­mes­se­zen­trums in Ros­tock be­kennt und un­se­ren An­trag wohl­wol­lend prüft. Mit dem Ros­to­cker Mes­se­zen­trum wä­ren wir auch der IGA im Jah­re 2003 ein Stück­chen nä­her. Für die Gar­ten­bau­aus­stel­lung ha­ben sich in­zwi­schen In­ves­ti­tio­nen in Hö­he von 250 Mil­lio­nen DM her­aus­kris­tal­li­siert, die von pri­va­ten In­ves­to­ren, von der Han­se­stadt und vom Land ge­tra­gen wer­den sol­len. Da­mit de­cken die kal­ku­lier­ten 150 Mio DM für ein Lan­des­mes­se­zen­trum be­reits ei­nen Gro­ß­teil der Kos­ten. Er­war­tungs­ge­mäß hat die Kent-Grup­pe zum Jah­res­wech­sel die zwei­te Kauf­ra­te über­wie­sen. Na­tür­lich wird der Ver­kauf der Ha­fen­um­schlags­ge­sell­schaft vor al­lem dar­an ge­mes­sen, wie sich der Um­schlag im See­ha­fen ent­wi­ckelt und die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten In­dus­trie­an­sied­lun­gen im Ha­fen Wirk­lich­keit wer­den. Kent hat­te sich da­zu ver­pflich­tet, daß fünf wei­te­re Fir­men im Ros­to­cker Ha­fen­ge­län­de ih­re Ge­schäfts­be­trie­be er­rich­ten. Beim Neu­jahrs­emp­fang im Ha­fen war zu er­fah­ren, daß im ver­gan­ge­nen Jahr 300 000 Ton­nen La­dung we­ni­ger als im Vor­jahr über die Kai­kan­te gin­gen. Die Ur­sa­chen hier­für sind die Re­kon­struk­ti­ons­ar­bei­ten an den bei­den wich­tigs­ten Lie­ge­plät­zen des Öl­ha­fens, die da­durch nur sechs Mo­na­te ge­nutzt wer­den konn­ten. Kürz­lich ha­be ich - so­zu­sa­gen auf Ih­ren Wunsch hin - mit dem Ver­band der Klein­gar­ten­freun­de ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Si­che­rung und Ent­wick­lung des Klein­gar­ten­we­sens un­ter­schrie­ben. Klein­gär­ten sind ein wich­ti­ger Fak­tor für die Stadt­ge­stal­tung, Staub­fil­te­rung, Er­ho­lung und Ge­sel­lig­keit in un­se­rer Stadt. Da­her ver­pflich­ten wir uns zu fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung. Im Ge­gen­zug wol­len die Klein­gar­ten­freun­de Ei­gen­leis­tun­gen bei der Er­schlie­ßung bzw. bei der Un­ter­hal­tung er­brin­gen. Der Pacht­zins auf städ­ti­schen Flä­chen wur­de fest­ge­schrie­ben. Und ge­mäß der Ka­te­go­ri­en wer­den die Klein­gär­ten auch in den Flä­chen­nut­zungs­plan mit ein­ge­ar­bei­tet. Für die Be­ra­tun­gen zum dies­jäh­ri­gen Haus­halts­plan, mei­ne Da­men und Her­ren, ha­ben Sie noch noch et­was Zeit. Er­lau­ben Sie mir trotz­dem schon jetzt ei­ni­ge An­mer­kun­gen und Er­läu­te­run­gen zum 99er Ent­wurf. Sie wis­sen selbst, daß wir uns uns für die Be­ra­tun­gen zum dies­jäh­ri­gen Haus­halts­jahr nicht ab­sicht­lich Zeit ge­las­sen ha­ben. Wir woll­ten mit der end­gül­ti­gen Sum­me der Fi­nanz­zu­wei­sun­gen des Lan­des ope­rie­ren kön­nen. Noch An­fang Ok­to­ber 1998 wur­de die Ros­to­cker Stadt­ver­wal­tung in ei­nem Haus­halts­er­laß dar­über in­for­miert, daß 74,5 Mio. DM aus den über­zahl­ten Aus­gleichs­leis­tun­gen der Jah­re 1995/1996 mit der Fi­nanz­aus­gleichs­mas­se ver­rech­net wer­den. Auch für das Jahr 1997 steht dem Land ein Aus­gleichs­an­spruch in Hö­he von 72,9 Mio. DM zu. Ins­ge­samt wer­den al­so 147,4 Mio. DM aus der Fi­nanz­aus­gleichs­mas­se her­aus­ge­rech­net. Wie im Vor­jahr wer­den zu­dem 17,5 Mio. DM für die Über­nah­me der Alt­schul­den an Ge­sell­schafts­bau­ten in den Erb­las­ten­til­gungs­fonds über­wie­sen. Da­mit setzt sich auch 1999 die Ten­denz fort, daß die Lan­des­re­gie­rung der Han­se­stadt ge­rin­ge­re Mit­tel zur Ver­fü­gung stellt. Die Fi­nanz­zu­wei­sun­gen ins­be­son­de­re aus Fi­nanz­aus­gleich und Ein­kom­men­steu­er sin­ken 1999 auf ei­nen Be­trag von 226,8 Mio DM. Vor zwei Jah­ren stan­den uns 282,9 Mio DM zur Ver­fü­gung. Für den Ros­to­cker Haus­halt er­gibt das in die­sem Jahr ei­nen Fehl­be­trag von 50,4 Mio DM, da die Lü­cke zwi­schen deut­lich ge­rin­ge­ren Lan­des­mit­teln und er­heb­lich ge­wach­se­nen Aus­ga­ben aus ei­ge­ner Kraft nicht zu schlie­ßen ist. So wer­den 1999 u. a. für So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen 12 Mio. DM mehr ge­braucht. Mehr­aus­ga­ben sind dar­über­hin­aus u. a. ein­zu­pla­nen für Hil­fen zur Er­zie­hung, für die Schü­ler­be­för­de­rung und die bau­li­che Un­ter­hal­tung von Schu­len.Die vor­lie­gen­den Kenn­zif­fern zei­gen die Fi­nanz­not der Han­se­stadt Ros­tock für das Haus­halts­jahr 1999. Ein Haus­halts­aus­gleich wä­re nur mög­lich, wenn wün­schens­wer­te, grund­sätz­lich so­gar not­wen­di­ge kom­mu­na­le An­ge­bo­te für die Ein­woh­ner deut­lich ein­ge­schränkt wür­den und/oder über struk­tu­rel­le Um­ge­stal­tun­gen­in­ner­halb der Ver­wal­tung ent­schie­den wird. Kann der Haus­halts­aus­gleich nicht er­reicht wer­den, schreibt die Kom­mu­nal­ver­fas­sung ein Haus­halts­si­che­rungs­kon­zept vor, in dem fest­ge­legt wird, wann und wie ein aus­ge­gli­che­ner Haus­halt er­reicht wer­den kann. Wir wer­den uns al­so zum ge­ge­be­ner Zeit über ein sol­ches Si­che­rungs­kon­zept
un­ter­hal­ten müs­sen. Ge­rin­ge­re Lan­des­zu­wei­sun­gen ha­ben auch ei­nen Rück­gang im Ver­mö­gens­haus­halt zur Fol­ge. Für In­ves­ti­tio­nen ste­hen in die­sem Jahr 226,3 Mio. DM zur Ver­fü­gung. Der Ver­mö­gen­haus­halt ist für mich der wich­tigs­te Teil städ­ti­scher Fi­nanz­po­li­tik. Mit In­ves­ti­tio­nen si­chern wir Ar­beits­plät­ze und bau­en an un­se­rer Zu­kunft. Zu den gro­ßen Aus­ga­be­pos­ten im Ver­mö­gens­haus­halt zäh­len die In­ves­ti­to­nen in Schu­len, der städ­ti­sche An­teil für den Um­bau des Ka­tha­ri­nen­stift oder der In­ves­ti­ti­ons­kos­ten­bei­trag für die Sa­nie­rung von Kran­ken­häü­sern. Doch all das wer­den wir in vier­zehn Ta­gen noch ein­ge­hen­der zu be­ra­ten und zu be­ur­tei­len ha­ben. Ich hof­fe und wün­sche, daß wir die­se schwie­ri­ge Klip­pe ver­ant­wor­tungs­be­wu­ßt und sach­lich meis­tern wer­den.