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Na­vi­ga­ti­on

Ro­man­tik, Rea­lis­mus, Re­vo­lu­ti­on - Das 19. Jahr­hun­dert

Pres­se­mit­tei­lung vom 07.09.2011

Mit dem Mot­to „Ro­man­tik, Rea­lis­mus, Re­vo­lu­ti­on - Das 19. Jahr­hun­dert“ wid­met sich der Tag des of­fe­nen Denk­mals 2011 ei­ner der sti­lis­tisch viel­sei­tigs­ten und an tech­ni­schen Neue­run­gen reichs­ten Epo­chen der Bau- und Kunst­ge­schich­te.

Po­li­tisch wie ge­sell­schaft­lich war das 19. Jahr­hun­dert von Um­brü­chen ge­prägt - so auch in Ros­tock: Der Ros­to­cker Feld­herr Le­be­recht v. Blü­cher, der an dem Sieg über Na­po­le­on ma­ß­geb­lich be­tei­ligt war, wur­de 1814 ju­belnd in Ros­tock emp­fan­gen. Der Wie­ner Kon­gress si­cher­te den Her­zog­tü­mern Meck­len­burg-Stre­litz und Meck­len­burg-Schwe­rin den Sta­tus des Gro­ßher­zog­tums zu, dem da­mit auch Ros­tock an­ge­hör­te. Nach der Auf­he­bung der Kon­ti­nen­tal­sper­re 1813 konn­te sich die Stadt zu ei­nem be­deu­ten­den Ost­see­ha­fen ent­wi­ckeln. Han­del und Hand­werk er­blüh­ten. Die in­dus­tri­el­le Ent­wick­lung, vor al­lem im Schiff­bau, be­gann in Ros­tock in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts.

1846 er­hielt Ros­tock durch den Bau des Fried­rich-Franz-Bahn­ho­fes den An­schluss an das Bahn­netz. 1871 wur­de das Gro­ßher­zog­tum Meck­len­burg Mit­glied des Deut­schen Rei­ches, was Ros­tock ein wei­te­res Wachs­tum be­scher­te. Die Ein­woh­ner- zahl ver­dop­pel­te sich auf über 60.000, die Vor­städ­te Krö­pe­li­ner-Tor- und Stein­tor-Vor­stadt wur­den er­rich­tet, für letz­te­re leis­te­te man sich so­gar den sei­ner­zeit viel­ge­frag­ten Karls­ru­her Ober­bau­rat Rein­hard Bau­meis­ter. War­ne­mün­de ent­wi­ckel­te sich zur glei­chen Zeit zu ei­nem der be­deu­tends­ten See­kur­or­te in Deutsch­land. Das 19. Jahr­hun­dert brach­te der Stadt mit der um­fas­sen­den In­dus­tria­li­sie­rung neu­en Reich­tum, was sich in vie­len Ge­bäu­den und An­la­gen die­ser Zeit bis heu­te deut­lich zeigt. Um 1830 be­gann Ros­tock - nach gut 600 Jah­ren - sich über die mit­tel­al­ter­li­chen Gren­zen hin­aus bau­lich zu ent­wi­ckeln. Das ers­te Stadt­kran­ken­haus wur­de 1852 am heu­ti­gen Ger­tru­den­platz er­rich­tet, der ers­te kom­mu­na­le Fried­hof (der Al­te Fried­hof und heu­ti­ge Lin­den­park) wur­de 1831 er­öff­net.

Der Rück­bau der Be­fes­ti­gungs­an­la­gen be­gann. Der grö­ß­te Teil der Ros­to­cker Wall­an­la­gen, von der Fi­scher­bas­ti­on bis zum Stein­tor wur­de für die Öf­fent­lich­keit in Park­an­la­gen um­ge­stal­tet. Ei­nen be­deu­ten­den An­teil dar­an hat­te der Ver­schö­ne­rungs­ver­ein, der in der Zeit von 1836 bis 1872 be­stand. Zen­tra­les Zeug­nis die­ser stadt­bau­ge- schicht­li­chen Epo­che sind der Platz vor dem Stein­tor und der heu­ti­ge Ro­sen­gar­ten. An der so­ge­nann­ten Wall­pro­me­na­de ent­stan­den nach dem Ab­tra­gen der Stadt­mau­er ei­ne Rei­he wich­ti­ger öf­fent­li­cher Ge­bäu­de: ne­ben der be­reits 1844 er­rich­te­ten Fried­rich-Franz-Schu­le 1866 die Gro­ße Stadt­schu­le und 1879-81 das Haupt­post­amt im neu­go­ti­schen Stil. 1889-93 be­kam das Stein­tor Kon­kur­renz durch den pom­pö­sen his­to­ris­ti­schen Back­stein­bau des Stän­de­hau­ses. Auf dem zu­ge­schüt­te­ten Wall­gra­ben er­blüh­te die „An­la­ge vor der Post“ - heu­ti­ger Ro­sen­gar­ten. Zu­sam­men mit dem Ge­sell­schafts- haus des Ver­eins „So­cie­tät“ - seit 1903 Kunst- und Al­ter­tums­mu­se­um der Stadt und dem 1895 er­öff­ne­ten Neu­bau des Ros­to­cker Stadt­thea­ters prä­sen­tier­te sich Ros­tock im Aus­gang des 19. Jahr­hun­derts an die­sem Platz mit ei­nem Feu­er­werk an Ar­chi­tek­tur - Zeug­nis ei­ner selbst­be­wuss­ten mo­der­nen Stadt.