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Na­vi­ga­ti­on

Trip­per und Co. - Die Zah­len stei­gen wie­der

Pres­se­mit­tei­lung vom 05.06.2013

Spä­tes­tens am Welt AIDS-Tag am 1. De­zem­ber rü­cken all­jähr­lich die neu­en Zah­len der HIV-(Neu-)In­fek­tio­nen ins Zen­trum des In­ter­es­ses. Im bun­des­deut­schen Maß­stab sind sie in den letz­ten Jah­ren nur we­nig an­ge­stie­gen und be­we­gen sich zwi­schen 3.000 und 3.400, Ten­denz nur lang­sam stei­gend. Ge­mäß ak­tu­el­len Schät­zun­gen wis­sen rund 15.000 Per­so­nen nichts von ih­rer HIV-In­fek­ti­on. We­nig hin­ge­gen hört man von den an­de­ren se­xu­ell über­trag­ba­ren In­fek­tio­nen wie Sy­phi­lis, Trip­per, Chla­my­di­en-In­fek­tio­nen oder Ge­ni­tal­war­zen. Auch die­se Ge­schlechts­krank­hei­ten zei­gen ein An­wach­sen der In­fek­ti­ons­zah­len. So be­rich­tet das Ro­bert-Koch-In­sti­tut in Ber­lin, dass seit der nicht na­ment­li­chen Mel­dung ei­ner Sy­phi­lis-In­fek­ti­on im Jah­re 2001 die Zah­len kon­ti­nu­ier­lich stei­gen, von ei­ner gro­ßen Dun­kel­zif­fer müs­se aus­ge­gan­gen wer­den. Nicht nur ho­mo­se­xu­el­ler Kon­takt kann hier­für ver­ant­wort­lich sein, ge­ra­de in ei­ni­gen mit­tel­gro­ßen deut­schen Städ­ten gibt es im­mer wie­der lo­ka­le Aus­brü­che mit he­te­ro­se­xu­el­lem In­fek­ti­ons­mus­ter.

Ei­ne ähn­li­che Zu­nah­me der In­fek­ti­ons­zah­len kann bei den Trip­per-In­fek­tio­nen an­ge­nom­men wer­den. Nur im Frei­staat Sach­sen gibt es ei­ne an­ony­mi­sier­te La­bor­mel­de­pflicht für Go­no­kok­ken-In­fek­tio­nen (Trip­per). Hier zeigt sich ein deut­li­cher An­stieg von 6,8 (im Jah­re 2003) auf 13,7 (im Jah­re 2011) pro 100.000 Ein­woh­ner. Da­bei han­delt es sich al­ler­dings nur um be­kannt ge­wor­de­ne und dem Arzt vor­ge­stell­te und un­ter­such­te In­fek­tio­nen. Der An­teil der nicht ge­mel­de­ten oder nicht dia­gnos­ti­zier­ten Go­no­kok­ken-In­fek­tio­nen wird als er­heb­lich ein­ge­schätzt. Zu­dem zei­gen sich welt­weit in der The­ra­pie der Trip­per-In­fek­tio­nen deut­li­che Re­sis­ten­zen ge­gen­über den gän­gi­gen An­ti­bio­ti­ka, das hei­ßt, die her­kömm­li­che The­ra­pie greift im­mer we­ni­ger. Ge­ra­de die nicht er­kann­te Trip­per-In­fek­ti­on kann, ähn­lich wie die häu­fi­ge­re, eben­so durch Ge­schlechts­ver­kehr über­trag­ba­re Chla­my­di­en-In­fek­ti­on, ei­ne Un­frucht­bar­keit ver­ant­wor­ten.

Was ist Ur­sa­che der zu­neh­men­den Zahl von (nicht er­kann­ten?) Ge­schlechts­krank­hei­ten? Ha­ben die bis­he­ri­gen Prä­ven­ti­ons­bot­schaf­ten ver­sagt? Ja und Nein! In den ver­gan­ge­nen 20 bis 30 Jah­ren galt es, ein­fa­che Bot­schaf­ten zu ver­mit­teln, um die bis­lang nicht the­ra­pier­ba­re HIV-In­fek­ti­on ein­zu­däm­men. Hier ist der Kon­dom­ge­brauch bei Ge­schlechts­ver­kehr ein ef­fi­zi­en­tes Mit­tel, um die In­fek­ti­ons­wei­ter­ga­be zu ver­mei­den. Bei der Sy­phi­lis, dem Trip­per, der Chla­my­di­en-In­fek­ti­on oder der Her­pes An­ste­ckung ge­nügt das Kon­dom nicht, um ei­ne In­fek­ti­on zu ver­hin­dern. Je­ne Ge­schlechts­krank­hei­ten kön­nen be­reits durch den „ein­fa­chen“ Schleim­haut­kon­takt über­tra­gen wer­den. Nun ist es we­nig sinn­voll, Angst zu schü­ren, um be­stimm­te Prä­ven­ti­ons­bot­schaf­ten mög­lichst ef­fek­tiv zu be­grün­den. Es scheint, dass Prä­ven­ti­ons­bot­schaf­ten, ge­ra­de in der jün­ge­ren, se­xu­ell ak­ti­ven Ge­ne­ra­ti­on ge­gen­wär­tig deut­lich we­ni­ger ernst ge­nom­men und um­ge­setzt wer­den als im Ver­gleich noch vor 20 Jah­ren. Letzt­lich geht es dar­um, sich zu in­for­mie­ren und ent­spre­chend zu han­deln. Ge­ra­de die Ver­wen­dung von Kon­do­men soll­te in ei­ner „fri­schen Part­ner­schaft“ selbst­ver­ständ­lich sein. Be­vor auf Kon­do­me ver­zich­tet wer­den kann, ist es rat­sam, sich auf se­xu­ell über­trag­ba­re In­fek­tio­nen tes­ten zu las­sen.

Wie sieht es nun in Meck­len­burg/Vor­pom­mern aus? Ge­schätzt wer­den nach An­ga­ben des Ro­bert-Koch-In­sti­tuts (RKI), dass in Meck­len­burg-Vor­pom­mern En­de 2012 ca. 570 Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mit ei­ner HIV-In­fek­ti­on le­ben, ca. 200 Per­so­nen wis­sen nichts von ih­rer In­fek­ti­on, mit al­len dar­aus re­sul­tie­ren­den Kon­se­quen­zen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den dem RKI in Ber­lin an­ony­mi­siert ca. 60 HIV-Neu­in­fek­tio­nen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern be­kannt, deut­lich mehr als in den Jah­ren zu­vor. Die Zahl der Sy­phi­lis-In­fek­tio­nen wird für Meck­len­burg-Vor­pom­mern im sel­ben Zeit­raum mit ca. 50 In­fek­tio­nen be­nannt, auch hier wird ei­ne Zu­nah­me der In­fek­ti­ons­zah­len kon­sta­tiert.

Trotz der heu­te be­stehen­den Mög­lich­keit ei­ner le­bens­lan­gen, the­ra­peu­ti­schen Ein­stel­lung ge­gen ei­ne HIV-In­fek­ti­on ist AIDS im­mer noch ei­ne be­droh­li­che Krank­heit. Es be­steht kein Grund, in der Ver­wen­dung von Kon­do­men nach­läs­si­ger zu wer­den. In­so­fern lässt die Ten­denz, dass in den Bor­del­len und Mo­del­woh­nun­gen im Nord­os­ten der Re­pu­blik häu­fi­ger als im üb­ri­gen Land „Sex oh­ne“ ge­for­dert und ge­währt wird, auf­hor­chen. Sex­ar­bei­ter/-in­nen und Frei­er set­zen sich of­fen­bar zu­neh­mend ei­ner un­kal­ku­lier­ba­ren Ge­fahr aus. Ein un­ver­ständ­li­cher Um­stand, da ca. 50 Pro­zent der Frei­er in fes­ten Part­ner­schaf­ten le­ben. Hier gilt es of­fen­kun­dig, in­ten­si­ve Be­ra­tung an­zu­bie­ten.

Be­ra­tung, Dia­gnos­tik und Tests zu den se­xu­ell über­trag­ba­ren Krank­hei­ten bie­tet in der Han­se­stadt Ros­tock das Ge­sund­heits­amt durch die Be­ra­tungs­stel­le für se­xu­ell über­trag­ba­re Krank­hei­ten und AIDS an­onym und kos­ten­los an. Die Be­ra­tungs­stel­le ist un­ter Tel. 0381 381-5313 zu er­rei­chen. Dort kön­nen Rat­su­chen­de Ter­mi­ne ver­ein­ba­ren oder sich zu se­xu­ell über­trag­ba­ren In­fek­tio­nen in­for­mie­ren las­sen.

Dr. Mar­kus Schwarz
Amts­arzt und Lei­ter des Ge­sund­heits­am­tes der Han­se­stadt Ros­tock