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Na­vi­ga­ti­on

Wohn­be­rech­ti­gungs­schein hat neue Be­deu­tung

Pres­se­mit­tei­lung vom 07.06.1999


Je­de zwei­te frei wer­den­de Woh­nung geht an In­ha­ber ei­nes sol­chen Schei­nes

In den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren hat sich die Woh­nungs­si­tua­ti­on in un­se­rer Stadt grund­le­gend ver­än­dert. Wur­den noch 1990 ca. 14.000 Woh­nungs­su­chen­de re­gis­triert, vor al­lem jun­ge Fa­mi­li­en und Al­lein­ste­hen­de im Al­ter bis zu 25 Jah­ren, hal­ten sich heu­te Woh­nungs­be­darf und Woh­nungs­an­ge­bot et­wa die Waa­ge. Kenn­zeich­nend für die Wohn­raum­ver­sor­gung der zu­rück­lie­gen­den Jah­re war ins­be­son­de­re das ko­ope­ra­ti­ve Zu­sam­men­ge­hen der Ros­to­cker Stadt­ver­wal­tung mit den Woh­nungs­un­ter­neh­men. Da­bei stand und steht die so­zi­al­ge­rech­te und so­zi­al­ver­träg­li­che Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung mit Wohn­raum im Mit­tel­punkt.

Ein Wan­del hat sich in die­sen Jah­ren auch in den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der Wohn­raum­ver­sor­gung voll­zo­gen. Es er­folg­te ei­ne schritt­wei­se An­glei­chung von Über­gangs­ge­set­zen an ein ein­heit­li­ches woh­nungs­po­li­ti­sches Recht. Mit die­sen Ge­set­zen wur­de ei­ner­seits der Auf­bau und die Ent­wick­lung ei­nes frei­en Woh­nungs­mark­tes ak­ti­viert, an­de­rer­seits auch ge­si­chert, daß ein­kom­mens­schwä­che­re Haus­hal­te an­ge­mes­sen mit Wohn­raum ver­sorgt wer­den kön­nen. Ei­nen be­son­de­ren Stel­len­wert in die­sem Pro­zeß hat­te und hat der Wohn­be­rech­ti­gungs­schein. Bis 1995 führ­te der Weg zu ei­ner kom­mu­na­len oder ge­nos­sen­schaft­li­chen Woh­nung nur über ei­nen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein, und das un­ab­hän­gig von der je­wei­lie­gen Ein­kom­mens­si­tua­ti­on. Rund 80 Pro­zent al­ler Ros­to­cker Woh­nun­gen un­ter­la­gen die­sen Be­stim­mun­gen. Ein frei­er Woh­nungs­markt ent­wi­ckel­te sich nur lang­sam und es gab län­ge­re War­te­zei­ten auf die ge­wünsch­te Woh­nung.

Ab 1996 er­hielt der Wohn­be­rech­ti­gungs­schein ei­ne neue Be­deu­tung. So re­gelt das 1995 ver­ab­schie­de­te Be­le­gungs­bin­dungs­ge­setz von Meck­len­burg-Vor­pom­mern, daß bis zu 50 Pro­zent des kom­mu­na­len und ge­nos­sen­schaft­li­chen Woh­nungs­be­stan­des, für die das Alt­schul­den­hil­fe­ge­setz in An­spruch ge­nom­men wur­de, in der Be­le­gungs­bin­dung blei­ben. Das sind in Ros­tock et­wa 30.000 Woh­nun­gen, die nun ab­hän­gig vom Ein­kom­men über ei­nen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein ver­ge­ben wer­den.

Die­ser Wohn­be­rech­ti­gungs­schein kann in der Ab­tei­lung Woh­nungs­we­sen und -för­de­rung des Bau­am­tes be­an­tragt wer­den, ist ein Jahr gül­tig und be­rech­tigt zum Be­zug ei­ner be­le­gungs­ge­bun­de­nen Woh­nung in ganz Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Ei­ne Be­ra­tung zum Wohn­be­rech­ti­gungs­schein ist hier je­der­zeit te­le­fo­nisch oder an den Sprech­ta­gen diens­tags von 9 bis 12 und 14 bis 17.30 Uhr mög­lich und don­ners­tags von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr.

Die be­währ­te so­zia­le Zu­sam­men­ar­beit von Stadt­ver­wal­tung, WIRO und al­len Woh­nungs­ge­nos­sen­schaf­ten wird seit drei Jah­ren auf der Grund­la­ge ei­nes Ko­ope­ra­ti­ons­ver­tra­ges or­ga­ni­siert. Die­ser Ver­trag re­gelt un­ter an­de­rem, daß je­de zwei­te frei wer­den­de Woh­nung der In­ha­ber ei­nes Wohn­be­rech­ti­gungs­schei­nes er­hält. Da­bei wer­den Haus­hal­te mit be­son­de­rer so­zia­ler Dring­lich­keit vor­ran­gig Wohn­raum er­hal­ten. Be­ur­teilt wird die Dring­lich­keit nach Kri­te­ri­en, die der Haupt­aus­schuß der Bür­ger­schaft be­stä­tigt hat. Vor­ran­gig mit Wohn­raum ver­sorgt wer­den auch ge­setz­lich fest­ge­schrie­be­ne Per­so­nen­grup­pen, wie schwan­ge­re Frau­en, kin­der­rei­che Fa­mi­li­en, jun­ge Ehe­paa­re, Al­lein­ste­hen­de mit Kin­dern, äl­te­re Men­schen und Schwer­be­hin­der­te. Auch das re­gelt der Ver­trag.

Be­son­de­re An­stren­gun­gen wur­den in den letz­ten Jah­ren un­ter­nom­men, um ob­dach­lo­sen Men­schen oder von Ob­dach­lo­sig­keit Be­droh­ten wie­der ei­ne Woh­nung an­zu­bie­ten. Da­mit be­schäf­tigt sich ei­ne von der Ab­tei­lung Woh­nungs­we­sen ein­be­ru­fe­ne Ar­beits­grup­pe. Seit Au­gust 1996 konn­te so 115 Be­trof­fe­nen aus ih­rer Not ge­hol­fen wer­den.

Trotz oder ge­ra­de we­gen des sich ent­wi­ckeln­den frei­en Woh­nungs­mark­tes hat der Wohn­be­rech­ti­gungs­schein sei­nen be­son­de­ren Stel­len­wert für die Ver­sor­gung von z. B. so­zi­al schwä­che­ren Haus­hal­ten, von So­zi­al­hil­fe­emp­fän­gern, jun­gen Leu­ten, die we­nig ver­die­nen, Aus­sied­lern und Aus­län­dern be­hal­ten. Der Wohn­be­rech­ti­gungs­schein si­chert, daß die­sen Haus­hal­ten der Zu­gang zum Woh­nungs­markt er­hal­ten bleibt. Der Wohn­be­rech­ti­gungs­schein ist auch ein Steue­rungs­in­stru­ment zur Er­hal­tung der gu­ten so­zia­len Durch­mi­schung un­se­rer Wohn­ge­bie­te. Sein In­ha­ber hat die Mög­lich­keit, beim Ab­schluß von Miet­ver­trä­gen oder im Rah­men von Miet­erhö­hun­gen haus­ei­ge­ne Miet­sub­ven­tio­nen von Woh­nungs­un­ter­neh­men in An­spruch zu neh­men.

Von 1996 bis 1998 wur­den mehr als 18.000 An­trä­ge auf ei­nen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein be­ar­bei­tet. Dar­un­ter be­fin­den sich z. B. Woh­nungs­pro­ble­me von 1.095 Schwer­be­hin­der­ten, 1.924 Al­ters­rent­nern, 106 kin­der­rei­chen Fa­mi­li­en so­wie von 366 schwan­ge­ren Frau­en und von 500 Al­lein­ste­hen­den mit Kin­dern. Zur Zeit be­sit­zen in der Han­se­stadt Ros­tock 3.257 Bür­ger ei­nen gül­ti­gen Wohn­be­rech­ti­gungs­schein. War­te­zei­ten auf ei­ne Woh­nung ent­ste­hen nur noch dann, wenn kon­kre­te Woh­nungs­wün­sche vor­lie­gen, wie z. B. ein be­stimm­ter Stadt­teil oder ei­ne be­stimm­te Grö­ße und Eta­ge. In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren konn­ten 8.349 Woh­nungs­su­chen­de mit ei­nem Wohn­be­rech­ti­gungs­schein ihr Woh­nungs­pro­blem lö­sen. Dar­un­ter u. a. 491 schwer­be­hin­der­te Men­schen, 759 Al­ters­rent­ner, 106 kin­der­rei­che Fa­mi­li­en, 364 schwan­ge­re Frau­en und 436 Al­lein­ste­hen­de mit Kin­dern. Ines Grün­del
Amts­lei­te­rin Bau­amt