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Stadtklimatope und Klimawandel

Klimatope sind Räume, die sich im Hinblick auf die wichtigsten mikroklimatischen Faktoren, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind vergleichen lassen. Klimamodifizierende Faktoren sind z.B.
Relief, Flächennutzung, Eigenschaften der Oberfläche, Vegetationsart und –bestand, Bodenart. Die daraus abgeleiteten Klimatope und deren Funktionen werden in einer Klimafunktionskarte zusammengefasst. Zur Beachtung der Klimafunktionen in der Bauleitplanung wird zusätzlich eine Planungshinweiskarte genutzt.

Landwirtschaftliche Nutzflächen, Grünanlagen sowie Wald und Feuchtgebiete im Stadtbereich sind für die Frischluftproduktion von großer Bedeutung und können das Stadtklima wesentlich beeinflussen. Belastungssituationen durch Wärmeinseln oder Anreicherung von Luftschadstoffen können im
hochversiegelten Innenstadtbereich sowie in Gewerbe- und Industriegebieten auftreten. Die Kenntnis
über Lage und Funktion der lokalen Windsysteme ist daher ein wichtiger Belang in der Bauleitplanung, weil sie in austauscharmen Wetterlagen die Durchlüftung des Stadtgebietes bewirken können. Zum Nachweis dieser Windsysteme wurde unter Auswertung von Messdaten des Deutschen Wetterdienstes für Strahlungswetterlagen eine Modellierung mit einem instationären prognostischen Windfeldmodell durchgeführt. Daraus wurden die Luftleitbahnen für lokale Windsysteme abgeleitet. Die Ergebnisse des Gutachtens belegen, dass die Belüftung des Stadtgebietes der Hansestadt Rostock überwiegend über die dynamischen Wettersituationen, also unabhängig von Flurwindsystem und Luftleitbahnen, erfolgt. Die Land-Seewind-Zirkulation stellt bei austauscharmen
Hochdruckwetterlagen das dominierende Flurwindsystem mit Belüftungsfunktion für das Stadtzentrum dar. Flurwindsysteme stellen sich nur in etwa 10 % der Jahresstunden und nur relativ schwach Das Stadtgebiet liegt im Bereich der Land-Seewind-Zirkulation. Dieses spezielle Windsystem des Küstenbereiches entsteht in Abhängigkeit des Temperaturunterschiedes zwischen Wasser und Land
und des bestehenden Gradientwindes. ausgeprägt ein.

 Auf der Basis von hoch aufgelösten Satellitenbildern wurden für eine Tag- und eine Nachtzeit digitale Thermalkarten erzeugt. Ziel war es, über einen Vergleich der jeweiligen Oberflächentemperatur erste Anhaltspunkte für die Ausprägung von städtischen Wärmeinseln sowie Datengrundlagen für die
Überarbeitung der städtischen Klimatopkarte zu erhalten. Außerdem wurden damit spätere Untersuchungen vorbereitet, die gezielt für kleinere Teilräume mittels Thermalinfrarot(TIR)-Aufnahmen und Bodenmessungen durchgeführt werden sollen. Diese Detailuntersuchungen sind nach Auswertung der genannten Grundlagen für die Stadtbereiche Reutershagen, Kröpeliner Tor Vorstadt sowie das Stadtzentrum vorgesehen.

Klimawandelanpassung

Der Klimawandel ist eine Realität! Die Szenarien des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) zeigen die Spannbreite auf, innerhalb der sich die Klimaelemente Temperatur, Niederschlag, Wind, Bewölkung sowie als weitere Auswirkung der Meeresspiegelanstieg in diesem Jahrhundert verändern könnten. Hinzu kommen schwer prognostizierbare Wetterextreme, wie Dürren, Hitzewellen, Starkniederschläge, Stürme und Fluten.

Die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock fasste daher im August 2011 den Beschluss 2011/AN/2439, der den Oberbürgermeister beauftragt, bis Mitte des Jahres 2012 ein Rahmenkonzept zur Anpassung an den Klimawandel zu erstellen. Das Rahmenkonzept wurde vom Amt für Umweltschutz unter Mitwirkung der Ämter Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege, Stadtforstamt, Amt für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Wirtschaft, Gesundheitsamt, Tief- und Hafenbauamt, Brandschutz- und Rettungsamt, Bauamt sowie der Hafencity-Universität Hamburg erarbeitet.

Neben der Analyse der Wahrscheinlichkeit für Klimawandelerscheinungen und
Extremwetterereignisse, befasst sich das Rahmenkonzept mit der Betroffenheit und Empfindlichkeit des städtischen Raumes in Rostock. Eine effektive Anpassung kann nur durch gezielte Maßnahmen in den jeweiligen Handlungsfeldern erreicht werden, die sich nicht nur auf physischen Maßnahmen beschränken, sondern ökonomische, soziale und kulturelle Belange beachten.

Der darauf beruhende Maßnahmen- und Aktionsplan stellt einen Rahmen für konkrete Aktivitäten dar und wird von allen Beteiligten weiter konkretisiert. Dabei wird es wichtig sein, der Rostocker
Bevölkerung ein erhöhtes Bewusstsein für den Klimawandel zu vermitteln und die Bereitschaft zu erhöhen, etwas gegen die möglichen Auswirkungen zu tun und Risiken zu vermindern. Das
Rahmenkonzept ist somit auch ein Ansatz zum gemeinsamen Handeln für eine lebenswerte,
zukunftsfähige Stadt. Ein besonderer Schwerpunkt ist auf planerische Erfordernisse im Zusammenhang mit Extremwetterereignissen (z.B. Starkregen, Sturm, Hitze, Trockenheit), aber auch auf vorbeugende Maßnahmen gerichtet. Weiterhin enthält das Rahmenkonzept einen Aktions- und Maßnahmeplan, der die konkreten Erfordernisse für die nächsten zwei Jahre umreißt, mittel- und langfristig vorgesehene Maßnahmen beinhaltet und alle zwei Jahre fortgeschrieben wird.