"Wildschweine - Dein Verhalten lenkt ihren Weg. Bitte nicht füttern!"
Wildschweine in der Stadt sind mittlerweile in vielen Kommunen Deutschlands zum Alltagsbild geworden. Ein Bild, dass zunehmend zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier führt. Verärgerung über die Schäden, die durch die umherziehenden Wildschweinrotten verursacht werden, aber auch Angst auf dem Schul- und Arbeitsweg sind Umstände, die besonders im Winter von den Bürgerinnen und Bürgern an die Stadt Rostock herangetragen werden.
Warum die Wildschweine in die Stadt ziehen, wie man sich bei einer Begegnung am besten verhält und was wir – die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Rostock - beitragen können, um diese Begegnungen auf ein Minimum zu reduzieren, soll in diesem Beitrag näher erläutert werden, denn auch „Dein Verhalten lenkt ihren Weg“.
Dunkle Borsten, ein ausgeprägter Rüssel und ein hervorragender Geruchssinn sind die typischen Charakteristika eines Wildschweines. Sie sind unheimlich gute Schwimmer, sehr schlau und passen sich immer wieder auch den widrigsten Umständen an. Extreme Klima- oder Wetterlagen wie Hitze und Trockenheit oder Kälte und Nässe machen ihnen wenig aus. Sie suchen in ihrem Revier vor allem folgendes: Schutz und Deckung. Wenn dazu noch eine Wasserstelle zum Trinken und Suhlen kommt, kann sie nur wenig wieder verdrängen. Die Bachen leben mit ihren Frischlingen und Jungtieren meist in Familienverbänden, sog. Rotten. Erwachsene Keiler sind Einzelgänger und gesellen sich nur zur Paarungszeit zeitweise zur Rotte.
Wildschweine wurden bereits im gesamten Stadtgebiet gesehen. Insbesondere in den Stadtteilen Groß Klein, hier im Bereich der Warnow, in Stadtweide, in Kassebohm, Toitenwinkel, Gehlsdorf sowie Hinrichsdorf – in den sogenannten Randbereichen zur Wohnbebauung. Sie verlagern ihre Lebensräume nach der Ernte der umliegenden Ackerflächen in den ortsnahen Bereich der Hanse-und Universitätsstadt Rostock. Dazu gehören Wiesen- und Waldflächen aber auch die zahlreichen unbewirtschafteten Flächen im Stadtgebiet. Soweit sich die Wildschweine in den Jagdbezirken aufhalten, ist dies ein ganz natürlicher, alljährlicher Prozess.
Allerdings sorgen die Umstände der Stadt (Schutz vor Bejagung und Fraß in Hülle und Fülle) auch dafür, dass die Wildschweine sich bei uns immer wohler fühlen und gar nicht daran denken, sich wieder zu verziehen.
So wird das sorglos weggeworfene Menü bekannter Fast-Food-Ketten nicht nur für uns, sondern auch für die Wildschweine zum willkommenen Festmahl. Aber auch der nach Feierabend noch schnell erledigte Rasenschnitt, der am gegenüberliegenden Feldrand entsorgt wird, bildet über die Zeit allerlei Würmer und Larven, die die Wildschweine nur zu gerne verspeisen. Als Allesfresser fühlen sich die Wildschweine in der Stadt also wie im Schlaraffenland.
Durch milde Winter und einem reich gedeckten Tisch vermehren sich Wildschweine besonders auch in der Stadt, wo sie zusätzlich in vielen Bereichen Schutz vor der Jagd finden. Mittlerweile paaren sie sich das ganze Jahr über und sorgen so dafür, dass sich ihre Population innerhalb eines Jahres sogar verdreifachen kann. Dies ist auch einer der Gründe warum für viele Bürgerinnen und Bürger, trotz ganzjähriger intensiver Bejagung der unliebsamen Gäste, auf den ersten Blick kaum eine Verbesserung in den Wohn- und Randgebieten zu spüren ist.
Wildschweine sind in der Regel scheu und meiden Menschen, können aber aggressiv werden, wenn sie verletzt sind oder sich bedroht fühlen – insbesondere weibliche Tiere mit Frischlingen im Frühjahr oder Keiler zur Paarungszeit.
Sobald man ein Schnauben wahrnimmt, sieht wie sich der Schwanz (Pürzel) aufstellt oder man ein Zähneklappern hört, ist Vorsicht geboten. Es handelt sich vermutlich um Drohgebärden der Tiere und ein weiteres Bedrängen könnte gefährlich werden.
Die Chance auf eine Wildschweinbegegnung ist in der Dämmerung und nachts besonders hoch, da sie sich zu dieser Zeit auf Nahrungssuche befinden. Am Tag können sie aktiv sein, verstecken sich aber eher im Unterholz. Der Geruch von „Maggi-Würze“ kann ebenfalls ein Indiz sein, dass sich die sogenannten Schwarzkittel in der Nähe befinden.
Wenn es dennoch zur Begegnung kommt:
- Ruhe bewahren
- keine hektischen Bewegungen machen
- großmachen und den Rückweg antreten
- den Tieren Rückzugsmöglichkeiten geben (Nicht in Ecken oder an Zäune drängen!)
- Hunde unbedingt anleinen und ruhig halten
Unternimm niemals Fütterungs- oder Streichelversuche und gehe nicht weiter auf die Tiere zu!
Klärt auch eure Kinder, Verwandten und Freunde über die richtige Verhaltensweise auf.
1. Tiere niemals füttern!
2. Grundstückssicherung
Den Zugang zum eigenen Grundstück durch einen geeigneten Zaun, z. B. einem im Boden verankerten Stabmattenzaun erschweren bzw. verhindern.
Hierbei gilt es für verschiedene Zauntypen folgende Grunddaten zu beachten:
- Zaunbau (Zaun muss 40-50 cm in den Boden, mind. 1,50 m hoch)
- Stromzaun (einfacher Litzendraht auf 15 cm Höhe und 50 cm Höhe)
3. Nahrungsquellen entziehen
Obst und sonstige nutzbare Nahrungsquellen für Wildschweine (und auch Waschbären) vermeiden, d. h. Fallobst von der Wiese im Garten sammeln und keine Gartenabfälle im öffentlichen Bereich entsorgen.
Grünschnittabfälle können ganzjährig kostenlos auf den Recyclinghöfen im Stadtgebiet entsorgt werden.
Sichere deinen Hausmüll durch verschließbare Behältnisse oder Unterstände und stelle den Müll möglichst erst am Morgen des Abholtages an die Straße, da er sonst zur leichten Beute hungriger Wildschweine wird.
4. Das Wild vergrämen
Welche Methoden hier am meisten Erfolg versprechen, können die jagdausübungsberechtigten Jäger im Revier sowie unsere Mitarbeiter der Gefahrenabwehr Tier gerne in einem Beratungsgespräch näher erläutern. Geeignete Wildvergrämungsmittel sind, z. B. Porcol (ca. 50€, Wirkungsdauer 5-6 Monate); Hukinol (27€, Wirkungsdauer 1-3 Wochen).
Im Rahmen einer Gefährdung, also akuten Gefahr, wäre die Polizei sofort hinzuzuziehen.
Telefonnummer: 110
Sollten kranke Tiere gesichtet werden ist das Veterinäramt der Hanse-und Universitätsstadt Rostock zu informieren (Seuchenschutz).
Zentraler Bereitschaftsdienst der Amtstierärzte: +49 171-8604464
Soweit sich ein Wildtier auf ein Privatgrundstück verirrt, kann sich der betroffene Grundstückseigentümer zur Unterstützung auch an den Kommunalen Ordnungsdienst wenden. (Wildtiere sind im Jagdbezirk in Freiheit zu setzen, sofern diese lebensfähig sind)
Telefonnummer des Kommunalen Ordnungsdienstes: +49 381 381 -3333
Erreichbarkeit: Montag bis Sonntag von 06:30 Uhr - 21:00 Uhr.
E-Mail an: kod@rostock.de
Der KOD mit der GA Tier und die Jagdbehörde arbeiten ganzjährig an der Problematik und sind dazu mit den anderen Ämtern, z. B. dem Grünamt oder dem Umweltamt im Austausch. Sie prüfen geeignete städtische Maßnahmen, um den Wildschweinen die Komfortzonen auf öffentlichem Grün zu entziehen. Hierzu zählt z. B. die regelmäßige Grünpflege und der Rückschnitt sowie die anschließende Entsorgung von wilden Brombeerhecken und anderem Wildwuchs.
Außerdem steht die Jagdbehörde im engen Kontakt mit den Jägern der jeweiligen Jagdbezirke in der Stadt. Gemeinsam prüfen sie insbesondere im befriedeten Bezirk, wo sich geeignete Fallenstandorte oder Bejagungspunkte befinden, um im Ausnahmefall trotz einer Befriedung, jagdlich aktiv zu werden. Dies geschieht für die Bürgerinnen und Bürger meist unbemerkt und wird aus verschiedenen Gründen auch in Zukunft nicht an die breite Masse kommuniziert. Hintergründe sind hier, u. a. negative Erfahrungen mit Vandalismus an Fangeinrichtungen der Jäger oder auch verbale Übergriffe gegenüber den Jägern. Weitere Gründe beruhen ebenfalls auf dem Faktor Sicherheit. Zum einen soll die klassische Jagd bzw. andere jagdliche Handlungen wie der Fallenfang nicht durch Schaulustige beeinflusst werden und zum anderen soll ausgeschlossen werden, dass sich Personen durch Neugier womöglich selbst in Gefahr bringen.
Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock nimmt die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger rund um die Wildschweinproblematik sehr ernst und kümmert sich. Um aber einen, vor allem auch nachhaltigen Erfolg verzeichnen zu können, benötigen wir auch die Unterstützung aus der Bevölkerung - denn auch „Dein Verhalten lenkt ihren Weg.“.




